Atomkraft oder nicht? Die Franzosen zweifeln.

Die Franzosen sind die ausgemachte Atomnation Europas. Umso erstaunlicher ist, dass nun gerade aus den eigenen Reihen Zweifel an der Atomkraft aufkommen. Grund dafür ist der Bau des neuen Atomreaktors von Flamanville. Erst kürzlich hat sich einer der Hauptinvestoren des Projekts, der italienische Energiekonzern Enel, aus der Finanzierung des Baus zurückgezogen.

Die Italiener waren mit 12,5 Prozent am Bau des Druckwasserreaktors in Flamanville im Norden Frankreichs beteiligt. Doch da ihnen der Bau zu teuer wurde, stiegen sie nun kurzerhand aus dem Projekt aus und lassen die Franzosen mit Zweifeln zurück, ob sich die Atomkraft tatsächlich noch immer so sehr lohnt, wie sie es immer betont haben.

Nach Aussage des kaufmännischen Direktors der französischen Sektion von Enel, Anthony Parons, sei der Reaktor von Flamanville nicht dazu geeignet, Energie zu einem angemessenen Preis zu liefern. Der Atomreaktor soll eigentlich leistungsstärker sein als all seine Vorgänger.

Francois Hollande, französischer Staatspräsident, hatte erst kürzlich beschlossen, den in die Jahre gekommenen Reaktor in Fessenheim, Nahe der deutschen Grenze, 2016 abzuschalten. Im gleichen Jahr soll das neue Werk in Flamanville den Betrieb aufnehmen, mit einer Verspätung von ganzen sechs Jahren. Man scheint in Frankreich auch endlich zu bemerken, dass Atomstrom nicht billiger zu haben ist als Strom aus erneuerbaren Energien.

Eigentlich waren die Kosten bisher für die Franzosen das Kernargument gewesen, warum sie sich zu einem Großteil durch Strom aus Atomkraftwerken versorgen lassen. Das Land ist dadurch unabhängig von Öl oder Gas und als günstiger Energielieferant bekannt. Wenn das Großprojekt von Flamanville nun allerdings ein finanzieller Flop wird, wäre es möglich, dass das Land seine Energiepläne für die kommenden Jahrzehnte noch einmal überdenken muss.

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