Atomkraftwerk-Stresstest ausgewertet

Der Bericht zur Auswertung der Stresstests, die an den europäischen Atomkraftwerken durchgeführt wurden, ist endlich in dieser Woche erschienen. Schon vor einigen Tagen waren Einzelheiten aus dem Bericht durchgesickert, die nichts Gutes in Bezug auf den Zustand der AKW in mehreren Ländern zu verheißen hatten.

Nun hat Energiekommissar Günther Oettinger das Ganze in etwas weniger drastischen Worten zusammengefasst. Unterm Strich bleibt jedoch das Gleiche stehen: an den europäischen Atomkraftwerken muss einiges getan werden und diese Tatsache hätte eigentlich schon vor der Durchführung des Tests nach der Katastrophe von Fukushima angepackt werden müssen.

In nahezu allen Atomkraftwerken bestehe erhebliches Verbesserungspotenzial. So versuchte Oettinger am Donnerstag in Brüssel, die Lage schonend zu vermitteln. Die Ergebnisse seien jedoch schwer zu durchschauen, gab er zu. Es handle sich bei dem Stresstest schließlich nicht um ein Ranking oder eine Einteilung.

So müssten die Ergebnisse genau und im Einzelnen betrachtet werden. Was jedoch festzustellen war, ist, dass in Skandinavien Europas gefährlichste Reaktoren stehen. Mangelnde Notstromaggregate sind dabei nur der Anfang wie beispielsweise im finnischen Olkiluoto oder im schwedischen Forsmark.

Die zwei in Deutschland überprüften Kraftwerke weisen ebenfalls Mängel bei der Notstromversorgung auf, eine bessere Risikovorsorge sei in jedem Fall dringend nötig. Noch härter trifft es den Nachbarn Frankreich. Laut Stresstest sind nur drei der französischen Kraftwerke verlässlich.

Nun hat der EU Gipfel zwei Wochen lang Zeit, über die Konsequenzen aus dem Test zu beraten. Der Fortschrittsbericht soll allerdings erst in zwei Jahren vorgelegt werden. Mit Kosten von bis zu 25 Milliarden Euro sei zu rechnen, so Oettinger. Eine bessere Kooperation in Nuklearfragen sei dringend nötig. Doch ob der Test die Bürger Europas tatsächlich beruhigen konnte?

In Wahrheit ist wahrscheinlich eher das Gegenteil der Fall, denn so wird langsam klar, auf welch einem Pulverfass mancherorts gesessen wird und ob die Verbesserungen tatsächlich durchgeführt werden, weiß niemand so genau. Man wird sich auf die Versprechungen wohl verlassen müssen, die nun nach der Veröffentlichung des Tests gemacht werden.

Tags
Back to top button
Close
Close