Bau von neuem Reaktor in Nordkorea

Nur kurz nachdem Nordkorea einem Atom-Moratorium zugestimmt hat, zeigen Satellitenbilder, dass der Bau eines neuen Leichtwasserreaktors besorgniserregende Fortschritte gemacht hat. Was man dem Land unter Kim Jong Un jedoch zu Gute halten muss, ist, dass das Foto des Satelliten von Anfang Februar stammt, also Wochen vor dem Moratorium.

Wie Nordkorea selbst berichtet, sei der Reaktor nur zur Energiegewinnung gebaut worden, doch Kritiker aus dem Ausland sehen diesen als eine mögliche Bedrohung, in der die Nordkoreaner waffenfähiges Plutonium herstellen könnten. Die letzten Bilder der Reaktorbaustelle stammen aus dem September vergangenen Jahres. Zu dieser Zeit war der Bau noch nicht sonderlich weit fortgeschritten gewesen. Vielleicht ist man deshalb jetzt negativ überrascht, denn der Sprung, der in diesen paar Monaten gemacht wurde, ist gigantisch. Ob da wirklich nur das Ziel Energiegewinnung auf dem Plan der Nordkoreaner steht, ist fraglich.

Erst vor kurzem hatte es im Atomstreit zwischen den USA, Südkorea, Japan und Nordkorea eine Annäherung gegeben. Der nördliche Nachbar Südkoreas hatte eingewilligt, die Urananreicherung einzustellen, keine Atomtests mehr durchzuführen und zudem Inspekteure der Internationalen Atomenergiebehörde ins Land zu lassen, um Reaktoren zu begutachten. Dafür versprach die USA dem Land, in dem große Teile der Bevölkerung in Armut leben, Lebensmittellieferungen, die vor einigen Jahren eingestellt worden waren, wieder aufzunehmen. Diese sollen nun an diejenigen gehen, die sie ganz besonders nötig haben, darunter Kinder, Schwangere, stillende Mütter und ältere Menschen.

Noch halten sich alle Parteien an die Abmachungen, doch viele Kritiker Nordkoreas erwarten, dass sich das Land letztendlich gegen die Vereinbarungen stellen wird. Immerhin habe sich die Zahl an Luftabwehrraketen um die nordkoreanische Hauptstadt Pjöngjang in den letzten Jahren drastisch erhöht. Besonders Erzfeind Südkorea bangt um die eigene Sicherheit im Falle eines Angriffs, denn die Raketen haben eine Reichweite von bis zu 300 Kilometern. Anzunehmen ist jedoch auch, dass Nordkorea wiederum seine Atomkraftwerke schützen will, weil es einen Angriff Südkoreas oder der Vereinigten Staaten erwartet.

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