Brunsbüttel und Brokdorf, verschiedene Ansichten

Vor ziemlich genau einem Jahr ereignete sich in Japan eines der schlimmsten Atomunglücke in der Geschichte. Nach einem Erdbeben und einem dadurch ausgelösten Tsunami kam es im Atomkraftwerk Fukushima zu mehreren Explosionen und einer Kernschmelze. Dass dieses Ereignis schon ein Jahr her sein soll, können viele gar nicht glauben. Doch die meisten haben es schon wieder aus ihrer Erinnerung gestrichen.

Was viele jedoch noch lange, gerade in Deutschland, an das Unglück in Fukushima erinnern wird, ist der daraufhin beschlossene verfrühte und endgültige Atomausstieg der Bundesrepublik. In dessen Folge wurden bereits mehrere Atomanlagen abgeschaltet, die verbleibenden folgen in den nächsten zehn Jahren.

Allein in Deutschlands nördlichstem Bundesland Schleswig-Holstein gibt es zwei Atomkraftwerke, über die immer wieder in den Medien zu lesen war, Brokdorf und Brunsbüttel. Brunsbüttel, das an der Westküste liegt, wurde bereits im vergangenen Sommer im Zuge des neuen Gesetzes stillgelegt, Brokdorf läuft noch weiter, wahrscheinlich bis 2012.

Die Menschen in diesen Regionen sehen dem Ende der Atomkraftwerke  mit gemischten Gefühlen entgegen. An sich fühlt man sich nämlich nicht durch diese bedroht. Naturkatastrophen können zwar immer passieren, doch so verheerend wie in Fukushima würde es in Deutschland wohl nicht kommen, zumindest gibt es in Norddeutschland weder Erdbeben noch Tsunamis.

Brokdorf zum Beispiel wird durch einen 8,40 Meter hohen Deich vor der Elbe geschützt, deren höchster Wasserstand 7,16 Meter betragen hat. Alle sicherheitsrelevanten Gebäude stehen außerdem so hoch, dass eine Sturmflut ohne Schäden überstanden werden könnte. Atomgegner fragen sich dennoch: was passiert, wenn der Deich bricht oder ein Flugzeug über dem Kraftwerk abstürzt? Auf solch ein Unglück wäre die Anlage möglicherweise nicht vorbereitet.

In Brunsbüttel, wo das stillgelegte Werk vom Energiekonzern Vattenfall betrieben wird, wurde die Schließung nicht begrüßt. Jahrelang profitierte die Gemeinde von enormen Steuereinnahmen durch Vattenfall, diese fallen nun weg und hinterlassen ein großes Loch in den Kassen. Auch Arbeitsplätze die nun wegfallen, werden schmerzhaft vermisst. Für viele in Brunsbüttel ist das Abschalten des Kraftwerks ein Segen und gibt ihnen ein Gefühl von neugewonnener Sicherheit, doch für andere ist es ein Fluch.

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