David Cameron ändert Atomstrategie

Mit der EU will Großbritannien ja eigentlich traditionell gar nichts zu schaffen haben. Dies hat sich in den vergangenen Tagen aber zumindest in einem Punkt drastisch geändert. Es geht um die Atomkraft und den Bau neuer Kraftwerke. Seit die zwei deutschen Investoren Eon und RWE letzten Monat bekannt gaben, sie würden sich nicht an der Finanzierung weiterer Kraftwerke in Großbritannien beteiligen, steckt das Land in der Klemme.

Ohne Subventionen wird es zu keinem Bau kommen, doch bei den Wahlen 2010 hatte die Regierung um David Cameron eigentlich versprochen, keine Staatsgelder für den Bau neuer Kraftwerke nutzen zu wollen.

Aus diesem Grund wendet man sich jetzt an Brüssel. Man verlangt, dass die Atomkraft, ebenso wie Wind- und Solarenergie, als emissionsarme Technologie eingestuft wird und dementsprechend gefördert werden könnte. Nicht nur Großbritannien ist an diesen Plänen beteiligt, sondern auch Frankreich, Tschechien und Polen, aber gerade von der Insel hätte man es nicht erwartet, dass sie um Hilfe von der EU bitten würde.

Auch im eigenen Land stoßen die Pläne von Cameron und Co auf Widerstand. Viele Briten sind empört, dass ihr Premier innerhalb weniger Wochen klammheimlich seine politische Linie geändert hat und Wahlversprechen so offen und deutlich bricht. Schon zu seiner Wahl vor zwei Jahren hätte er schließlich ahnen müssen, dass nicht genug Geld für den Bau von Kraftwerken zur Verfügung stehen würde. Stattdessen wurden internationale Investoren ermuntert, auf der Insel neue Reaktoren zu bauen. Die Mittel dafür sollten nicht aus Staatsgeldern kommen, sondern am Markt beschafft werden.

Seit RWE und Eon sich aber von den Plänen der Briten zurückgezogen haben, weil der Bau zweier neuer Reaktoren ihnen zu teuer und riskant ist, ist klar geworden, dass es ohne Unterstützung nicht geht. Ganz auf die neuen Reaktoren verzichten will Großbritannien wiederum auch nicht. Ob sich nun unter dem Deckmäntelchen der emissionsarmen Energiequelle etwas für die britische Atomkraft machen lassen wird, zeigt sich in den kommenden Monaten in Brüssel.

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