Ein Jahr nach Fukushima

Beinahe ein Jahr ist es her, dass das Atomkraftwerk Fukushima Daiichi in Japan nach einem schweren Erdbeben mit darauffolgendem Tsunami fast vollständig zerstört wurde, was eine Kernschmelze in drei der Reaktoren zur Folge hatte. Ein ganzes Jahr, und doch ist in der Region nichts mehr so, wie es einmal war und wird es vielleicht auch nie wieder werden.

Die Aufräumarbeiten dauern noch immer an und die japanische Regierung räumt ein, dass es womöglich noch Jahrzehnte dauern wird, bis der gesamte Schutt entfernt ist. Ob die Region je wieder risikofrei bewohnbar sein wird, ist zu bezweifeln. Seit der Katastrophe gleicht Fukushima einer Geisterstadt, denn wer nicht sowieso in den Fluten ums Leben gekommen ist oder dabei sein Zuhause verloren hat, musste die Gegend verlassen, die einer extrem hohen radioaktiven Strahlung ausgesetzt ist.

Besondere Kritik wurde immer wieder an dem Kraftwerksbetreiber Tepco laut, der sich weigerte, seine Arbeiter aus Fukushima abzuziehen, obwohl bereits der ganzen Welt klar war, welch enormen Strahlungen sie dort ausgesetzt waren. Auch die Zurückhaltung der Regierung, die Menschen im Land wirklich von den Ausmaßen der Katastrophe zu informieren, stieß im Ausland auf harsche Kritik. Vorhersagen über die Verbreitung der radioaktiven Substanzen in der Luft waren ignoriert worden, was dazu führte, dass Tausende von Menschen viel zu lange in den verseuchten Regionen verblieben.

Nun verspricht die japanische Regierung, Fukushima wieder komplett aufbauen zu wollen. Dabei ist allen Beteiligten klar, dass allein die Demontage des ehemaligen Atomkraftwerks bis zu 40 Jahre dauern wird. Den über 100.000 Menschen, die die Region nach der Katastrophe verlassen mussten, wird so neue Hoffnung auf eine Rückkehr in ihre Heimat gemacht. Höchstwahrscheinlich sind es falsche Hoffnungen, denn die Folgen des Unglücks werden noch über Jahrzehnte zu spüren sein, selbst wenn die Trümmer des Kraftwerks nicht mehr zu sehen sein werden. Der Boden und das Meer sind verseucht, weder Fischer noch Bauern könnten sich also in der Gegend um Fukushima ansiedeln, ohne erhebliche gesundheitliche Schäden davonzutragen.

Ein Jahr nach dem Unglück von Fukushima kann man also sagen: noch immer gibt es viele Luftschlösser und Versprechen, die wahrscheinlich nicht eingehalten werden können.

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