Energie Aus Wildpflanzen

Die Idee war gut: Biogas, aus nachwachsenden Rohstoffen, ist eine umweltfreundliche Alternative zum fossil geförderten Erdgas. Das genutzte Biogas gibt nur den Anteil an CO2 ab, den die Pflanzen während ihres Wachstums auch aufgenommen haben – der klimafreundliche Idealfall. Nicht umsonst wird Biogas stark subventioniert, sodass immer mehr Bauern auf ein Zweikulturnutzungssystem umstellen: Zwei angebaute Kulturen im Jahr bieten im Frühsommer zum Beispiel eine reiche Erbsen- oder Rapsernte, im Spätsommer wird zumeist biomassereicher Mais abgemäht und in Silagen vergärt.

Doch diese großflächig monokulturelle Turbobewirtschaftung hat ihren Preis. Die Artenvielfalt auf deutscher Flur ist stark gefährdet. Zum Einen ist ein (meist abgezäuntes) Maisfeld einer Gruppe Wildschweine zwar sehr willkommen, für die meisten anderen Wildtiere ist es jedoch völlig uninteressant. Zum Anderen sind bewegungsunfähige Jungtiere, wie Rehkitze, Bodenbrüter oder Junghasen in den frühsommerlich geernteten Feldern prädestiniert dafür Opfer der Erntemaschinen zu werden. Ein weiterer Nachteil besteht in der Intensiven Bodenbearbeitung und –düngung.

All diese negativen Punkte umgeht das naturnahe und dennoch rentable System der Energie aus Wildpflanzen.

Ausgesät wird eine Mischung aus unterschiedlichen Wildpflanzen mit starkem Wachstum bis in den Spätsommer. Eine Ernte erfolgt daher erst im Herbst. Zu diesem Zeitpunkt sind alle Jungtiere bereits fluchtfähig. Wildpflanzen sind widerstandsfähiger als Monokulturen, benötigen kaum Pflege übers Jahr und vertragen auch magere Böden. Auch sind viele Wildpflanzen mehrjährig, sodass keine jährliche Aussaat nötig ist. Der Aufwand für den Bauern ist dadurch und durch die einmalige Ernte im Jahr sehr viel geringer. Durch das langwierige Wachstum ist die Ausbeute an Biomasse gar höher als beim Mais. Eine dichte Wildpflanzenkultur bildet einen Errosionsschutz für den Boden, bietet einer Vielfalt an Tieren Zuflucht und versorgt zum Beispiel die nach der Jährlichen Rapsernte nahezu verhungerten Honigbienen.

Quellen:

3Sat Nano Sendung vom 14.10.2010

Dr. Rüdiger Graß, Universität Kassel, Fachgebiet Grünlandwissenschaft und Nachwachsende Rohstoffe: Biogas und Energiepflanzenbau

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