Energiewende: Neue Chancen für Kohlekumpel

Vattenfall hat es bereits vor einiger Zeit angekündigt. Die schmutzige Kohlesparte passt dem schwedischen Staatskonzern nicht mehr so recht ins neue Image. Sukzessive will sich der Energiekonzern daher aus der Kohleförderung zurückziehen. Andere Energieriesen wie RWE oder E.on haben bereits ähnliche Pläne. Ob es wirklich nur um das Unternehmensimage geht bleibt dabei mehr als fraglich, denn zunehmend rentieren sich die fossilen Kraftwerke auch einfach nicht mehr. Durch die Bevorzugung von grünen Strom kommen Kohle- und Gaskraftwerke immer seltener zum Einsatz, was die Gewinne schmälert. Eine Vielzahl von Kraftwerken ist daher bereits in den roten Zahlen. Für viele Standorte ist es daher nur eine Frage der Zeit, bis sie abgeschaltet werden.

Traditionelle Fördergebiete müssen sich neu finden

Es ist eine historische Wende, die gerade von Statten geht. Am deutlichsten wird dies in Gebieten, die aufgrund der natürlichen Rohstoffvorkommen über Dekaden von der Kohleförderung gelebt haben. Beispielsweise die Lausitz oder die Braunkohlegebiete in Sachsen. Hier will Vattenfall sein Engagement bald beenden. Ob sich ein neuer Betreiber für die Tagebauten und Kraftwerke findet, ist indessen noch nicht restlos geklärt. Momentan arbeiten etwa 8000 Menschen allein in der Lausitzer Braunkohleindustrie. Was passiert also, wenn Vattenfall sich verabschiedet und ein potentieller Käufer nicht alle Lausitzer Kraftwerke und Tagebauten, die Vattenfall einst betrieben hat, übernimmt? Zwangsläufig werden einige Arbeitsplätze wahrscheinlich verloren gehen.

Auch die Politik will die Kohleverstromung verringern

Experten sind sich dabei recht einig. Unabhängig von der künftigen Betreiberstruktur in der Lausitzer Braunkohlewirtschaft werden Arbeitsplätze in dem Wirtschaftszweig verloren gehen. Dafür werden bereits die politischen Zielsetzungen sorgen. Denn im Zuge der Energiewende soll die Braunkohleverstromung zu Gunsten der erneuerbaren Energien nach und nach weichen. In ferner Zukunft wird die Braunkohle wahrscheinlich nur noch als Back-Up Lösung fungieren. Eine aktuelle Untersuchung der Umweltorganisation Greenpeace, die vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) erstellt wurde, hat ergeben, dass rund die Hälfte der Jobs in der Braunkohlewirtschaft der Lausitz allein durch die bereits erwähnte politische Strategie verloren gehen.

Rettung durch die EE-Branche

Für die Region ist die Vorstellung, derart viele Arbeitsplätze zu verlieren, ein Schreckensszenario. Doch die Greenpeace Studie, die am Montag in Hamburg vorgestellt wurde, gibt einen grundsätzlich positiven Ausblick. So könne ein großer Teil der Beschäftigten aus der Braunkohlewirtschaft in den kommenden Jahren in der Branche der erneuerbaren Energien untergebracht werden. Auch wenn eine Komplettübernahme nicht möglich ist, können durch die neuen Möglichkeiten im Zuge der Regenerativwirtschaft viele Arbeitsplätze gesichert werden. Laut der Analyse, reichen dafür Umschulungen aus. Immerhin kommen die Arbeitnehmer bereits aus der Energiewirtschaft und haben daher Vorkenntnisse, die auch auf die regenerativen Energien angewendet werden können. Rund 4000 Arbeitsplätze, so die Prognose, könnten dadurch schrittweise in die EE-Branche wandern. Für die Lausitz und die anderen Braunkohlegebiete in Brandenburg und Sachsen ist dies ein Hoffnungsschimmer. Nun liegt es an der Landespolitik auch entsprechend günstige Rahmenbedingungen zu schaffen und nicht der alten Braunkohlezeit hinterher zu trauern. Brandenburg hat beispielsweise ein hohes Potential für die Windkraft und PV-Freiflächenanlagen aufgrund der zur Verfügung stehenden Flächen. Hier kann man mit bewusster Flächennutzungsplanung bereits die ersten neuen Arbeitsplätze für ehemalige Kohlekumpel schaffen.

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