Exportschlager Energiewende: Frankreichs Abkehr vom Atomstrom

Jahrzehnte lang hat man in Frankreich auf Elektrizität aus Atomkraft vertraut. Auch heute wird noch rund 70 Prozent der französischen Stromnachfrage mittels Atomenergie gedeckt. Die Vernarrtheit in atomaren Strom rührt in Frankreich vom Ölpreisschock der 1970er Jahre. Damals initiierte man ein Nuklearprogramm, den Messmer-Plan welcher bis heute die Energiewirtschaft Frankreichs prägt. Doch allen Vorteilen der Atomkraft entgegen birgt diese ein unkontrollierbares Risiko, wie die Reaktorkatastrophe von Fukushima jüngst unter Beweis stellte. So will man nun auch in Frankreich zur Weltspitze der grünen Stromproduzenten aufschließen. Das erklärte Ziel von Präsident Hollande ist bis 2025 die Atomkraft auf 50 Prozent zu reduzieren. Die Lücke soll durch erneuerbare Energien gestopft werden. Geht man die Förderung der Erneuerbaren in Frankreich nun besonnener als in Deutschland an?

Internationales Phänomen: Maßlose Förderung

Ist die teils unüberlegte Förderung von grünem Strom ein rein deutsches Phänomen? Nein, zumindest nicht wenn man zu unseren westlichen Nachbarn blickt. Vor allem der Ausbau von Solarenergie wurde in Frankreich mit äußerst lukrativen Tarifen unterstützt. Beispielsweise stiegen allein für die Förderung von Energie aus Photovoltaik die Kosten von 1,1 Millionen Euro in 2007 auf 795 Millionen Euro in 2011. Ein enormer Zuwachs der durch den zuständigen Rechnungshof gerügt wurde und dazu führte das man 2011 einen dreimonatigen Baustopp für Solaranlagen verhängte und zudem die Preise neu setzte. Denn die Förderkosten trug bis dato der Steuerzahler.

Der Markt für Solarkraftwerke brach zusammen

Die Notbremse führte dazu, dass der Markt für Solarkraftwerke kollabierte. Letztlich wurden vor allem Mittelständler vom Markt verdrängt, sogar Bosch war gezwungen eine Kollektoren Fabrik in Lyon zu schließen. Doch der Vormarsch der Solarenergie hat in Frankreich auch positive Effekte bewirkt. Neben der sowieso als positiv zu bezeichnenden Abkehr von der Atomenergie, helfen die vielen neuen Solarkraftwerke vor allem den krisengebeutelten, strukturschwachen Regionen zu neuer Wirtschaftskraft. Beispielhaft zu nennen ist eine 115 Megawatt starke Photovoltaikanlage nahe Nancy. Für die Region eine profitable Ansiedlung.

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