Frankreich macht Atomkraft zum Wahlkampfthema

Es sind keine zwei Monate mehr bis zum Beginn der Präsidentschaftswahl in Frankreich. Die zwei Wahlgänge werden am 22. April und am 6. Mai stattfinden und seit sich der amtierende Präsident Nicolas Sarkozy dafür entschieden hat, für eine zweite Amtszeit zu kandidieren, hat der Wahlkampf ganz neue Züge angenommen. Sarkozy vertritt die konservative Seite, während sein Herausforderer Francois Hollande der sozialistischen Seite angehört.

Im Zuge des nahen Atomausstiegs Deutschland hat sich auch das Thema Atompolitik in den Wahlkampf der französischen Präsidentschaftskandidaten eingeschlichen. An sich sieht man die Atomkraft in Frankreich als unabdingbar, als einen Energielieferanten, ohne den das Land nicht leben kann. Doch auch in Frankreich gibt es Atomkraftgegner und das möchte sich Kandidat Hollande zum Nutzen machen. Er plädiert dafür, das Atomkraftwerk Fessenheim im Elsass, dicht an der deutschen Grenze, abzuschalten. Dies möchte er durchbringen, sollte er die Präsidentschaftswahl gewinnen.

Präsident Sarkozy ist von dem Vorschlag empört. Er steht auf der Seite der Atomenergie und hält das Abschalten von Atomkraftwerken auf französischem Boden für unmöglich. Er warnt vor den Konsequenzen, die ein Atomausstieg für Frankreich bedeuten würde. Seiner Meinung nach hängen zu viele Arbeitsplätze von einem solchen Schritt ab. Bis zu 240.000 Stellen wären gefährdet und abgesehen davon würden die Strompreise massiv ansteigen. Auch erneuerbare Energien hält der französische Präsident für keine geeignete Alternative zur Atomenergie. Diese taugten lediglich zu deren Ergänzung. Ein Land, das aus Windkraft und Solarenergie seinen Strom bezieht, kann er sich nicht vorstellen.

Deutschland ist jedenfalls, ebenso wie Hollande, dafür, zumindest das Werk in Fessenheim abzuschalten. Besonders der Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg setzt sich dafür ein und ist der Meinung, dies sollte am besten so schnell wie möglich passieren. Erst vor kurzem hatte nämlich die französische Atomaufsichtsbehörde ASN bekannt gegeben, die Anlage habe erheblichen Nachrüstbedarf. Das zeugt davon, dass Mängel vorliegen und obwohl Sarkozy bestätigt, die Anlage sei sicher und funktionstüchtig, bleibt man bei den Nachbarn in Süddeutschland skeptisch. Wenn Anfang Mai die Präsidentschaftswahl stattgefunden hat und der Sieger feststeht, wird man womöglich mehr über die Zukunft der französischen Atompolitik wissen.

Tags
Back to top button
Close
Close