Grüner Internetriese: Google will bis 2020 komplett auf erneuerbare Energien umsteigen

Die Zeichen der Zeit erkennen und sich vor neuen Entwicklungen nicht verschließen. Für Google sicherlich eine der Strategien, die zum heutigen Erfolg des Internetkonzerns beigetragen haben. 1996 startete die Erfolgsgeschichte, damals noch unter dem Namen „BlackRub“ und sehr bescheidenen Mitteln. Urs Hölzle, heute Leiter der globalen Infrastruktur bei Google, stieg 1999 als achter Mitarbeiter bei dem damaligen kalifornischen Start-Up ein. Die Infrastruktur des Technologiekonzerns ist es, die nun im Mittelpunkt eines neuen innovativen Schachzugs von Google steht. Hölzle, sowie die gesamte Google-Führungsriege, wollen vermehrt mit erneuerbaren Energien arbeiten und sich das Image eines grünen Unternehmens aufbauen. Dazu plant Google bis 2020 vollständig auf erneuerbare Energien umzusteigen, denn Anfang sollen die europäischen Rechenzentren machen.

Google Europa wird schon bald mit Grünstrom arbeiten

Aktuell betreibt Google drei Rechenzentren in Europa, welche sich in Finnland, Belgien und Irland befinden. Ein viertes soll in Kürze in den Niederlanden entstehen und von Beginn an mit erneuerbaren Energien versorgt werden. Google hat dafür bereits Vorarbeit geleistet und insbesondere in Windparks investiert, welche zeitnah in Betrieb gehen sollen. Sobald dies der Fall ist, werden die europäischen Rechenzentren vollständig mit grünen Strom versorgt. Bis 2020 bleiben dann noch weitere 10 Datenzentren weltweit übrig, sechs davon in den USA. „Ich gehe davon aus, dass wir unser Ziel 100 Prozent grünen Stroms in spätestens fünf Jahren erreichen“, meinte Urs Hölzle zuletzt gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Aktuell speist der Suchmaschinenkonzern seine Rechenzentren mit rund 35 Prozent erneuerbarer Energie. Im Vergleich mit der Branchenkonkurrenz hat Google noch einigen Nachholbedarf. Im Index für saubere Energien, der regelmäßig von Greenpeace herausgegeben wird, liegt Google bislang noch hinter Apple, Yahoo und Facebook.

Ein Gigawatt ist bereits angekauft

Über ein Gigawatt hat Google bereits an erneuerbarer Leistung angekauft. Das Portfolio besteht aus Wasser-, Wind- und Solaranlagen. Doch neben der Investition in Technologien für den Eigenverbrauch setzt Google auch bei den Wertanlagen auf erneuerbare Energien. Rund zwei Milliarden US-Dollar hat das Unternehmen bereits in etwa drei Gigawatt erneuerbare Leistung investiert. Mit diesen Investitionen verspricht sich Google lukrative Renditen. Hölzle ist sich sicher, dass die erneuerbaren Energien ein gewinnbringendes Zukunftsgeschäft sind. Entgegen der Kritik von Greenpeace, die zuletzt Unternehmen wie Ebay, Oracle oder Amazon als Klimaproblem bezeichnete, meint Hölzle das der Energieverbrauch der IT-Branche in Zukunft nicht steigen wird. Als Gründe nannte er energieeffizientere Technologien wie Tablets oder Smart Phones und Cloud-Anwendungen. Greenpeace dagegen meinte, dass gerade die neuen Cloud- und Streamingdienste dafür sorgen werden, dass das benötigte Datenvolumen explosionsartig ansteigen wird. Vielleicht ist diese Kritik auch einer der Gründe für Google gewesen, die Umstellung auf erneuerbare Energien einzuleiten.

Image aufpolieren

Faktisch verbraucht nur ein Rechenzentrum die Energie von tausenden Einfamilienhaushalten. In Summe saugt die IT-Branche rund zwei Prozent des weltweiten Energieverbrauchs. Auch wenn die Branche damit sicherlich nicht die energieintensivste ist, so lässt sich doch durch die Umstellung auf erneuerbare Energien einiges an klimaschädlichen Gasen vermeiden. Für Google ist die neue grüne Linie sicherlich auch dazu da, dass Image aufzupolieren. Zuletzt wurde das Unternehmen insbesondere im Bereich Datenschutz hart kritisiert und nicht selten als „Datenkrake“ bezeichnet. Die negative PR hat Googles Image des jungen, dynamischen und offenen Unternehmens angekratzt. Mit der grünen Strategie kann Google das eigene Image, zumindest bei Umweltverfechtern, sicherlich wieder verbessern.

Sinkende Kosten bei erneuerbaren Energien unterstützen Googles Ambitionen

Für Hölzle ist die Zeit reif für den Umstieg auf erneuerbare Energien. Aus ökologischer Perspektive ist es vor allem die Einsparung klimaschädlicher Treibhausgase, aus ökonomischer Sicht sind es die sinkenden Preise für die entsprechenden Technologien. Insbesondere im Bereich der Windenergie sind die Kosten für den Bau, die Planung und den Betrieb der Anlagen in den letzten Jahren erheblich gesunken. Das macht es für Google ökonomisch besonders interessant vor allem in Windanlagen zu investieren. Hölzle meint, dass Kalifornien Europa und insbesondere Deutschland fünf bis zehn hinterher sei, was die Energiewende betrifft. Um das zu ändern, will Google, als Weltkonzern, nun als Vorreiter agieren. Ob auch andere IT-Konzern dem Vorbild Googles folgen? Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, denn es gibt ein hohes Potential für Veränderungen. Laut Greenpeace liegt der Anteil konventioneller Energieträger zur Stromversorgung bei einigen Branchenriesen, wie Amazon, Oracle, IBM oder Ebay, im Durchschnitt bei 75 – 90 Prozent.

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