Ist die Stromversorgungssicherheit durch Deutschlands Energiewende wirklich gefährdet?

Vergangene Woche titelten verschieden Medien, vor allem im Internet, mit folgender Meldung „Weltenergierat warnt: Deutsche Energiewende gefährdet Stromversorgungssicherheit Europas“. Darunter war auch noch die Anmerkung zu lesen, dass Experten die deutsche Energiewende für keinen Exportschlage halten. Was ist dran an dieser Meldung? Woher kommt die Sorge, dass gerade die deutsche Energiewende Europas Versorgungssicherheit gefährdet?

Ohrfeige für Deutschlands Vorzeigeprojekt

Gerade mit der hiesigen Energiewende rühmt sich die Bundesregierung sehr gern. Insbesondere das zuständige Ministerium für Wirtschaft und Energie und der dazugehörige Minister, Sigmar Gabriel (SPD) bezeichnen die Energiewende als das wichtigste Projekt Deutschlands auf die lange Frist. Und nun eine derartige Meldung vom Weltenergierat, ausgerechnet von einem weltweiten Zusammenschluss von Organisationen der Energiewirtschaft aus über 90 Ländern. Der Weltenergierat, oder auch World Energy Council (WEC), ist eine Organisation die insbesondere Energieproduzenten und -händler, Regierungsorgane sowie Forschungs- und Verbrauchereinrichtungen der Energiewirtschaft vereint. Der seit 1924 existente Rat, der zuvor lediglich als institutionalisierte Konferenz agierte, betreibt heute vor allem Forschung und Analysen für seine Mitglieder. Zudem gibt der Rat Handlungsempfehlungen. So auch zuletzt in Bezug auf Deutschlands Energiewende.

Experten hegen Zweifel an Deutschlands Energiewende

Das kritische Statement zum deutschen Großprojekt geht auf eine Umfrage einer Vielzahl internationaler Energieexperten zurück. Das Ergebnis ist alles andere als erfreulich für deutsche Energiewendepioniere. So sehen 75 Prozent der Befragten, die Energiewende als eine Gefahr für die Stromversorgungssicherheit Europas. Zudem gehen die Befragten davon aus, dass die Energiewende kurzfristig zu einer Schwächung der deutschen Wirtschaft beitragen wird, langfristig (ab 2020) ist das Meinungsbild allerdings differenzierter. So vermuten einige der Befragten, dass Deutschlands Wirtschaft in der langen Frist von der Energiewende durch zusätzliche Investitionen profitieren könnte. Mittels der Umfrage wurde das Stimmungsbild von 35 WEC-Länderkomitees aufgenommen, 20 davon aus Europa. Ein besonders schlechtes Ergebnis zeigt sich bei der Frage, ob die Länder sich vorstellen könnten Deutschlands Energiewende als Blaupause für die eigene Energiewirtschaft zu übernehmen. Hier gaben 50 Prozent der Befragten an, dass sie das gesamte Konzept der Energiewende ablehnen. Die restlichen 50 Prozent würden es zumindest in Teilbereichen übernehmen.

Realisierungsziele der Energiewende werden als utopisch angesehen

Auffallend ist auch, dass fast niemand davon ausgeht, dass Deutschland die Energiewende ohne zeitliche Verzögerung meistern wird. Rund jeder Zehnte meint sogar, dass die Ziele der Energiewende überhaupt nicht erreichbar sind. Was die technischen als auch ökonomischen Bedingungen betrifft, so meine 82 Prozent der Befragten, dass diese für eine Energiewende nach deutschem Vorbild nicht ausreichen. „Die Energiewende ist noch immer kein Exportschlager“, fasst Uwe Franke, Präsident der deutschen WEC-Länderkomitees, die Ergebnisse gegenüber der Zeitung FOCUS zusammen. „Unsere wichtigsten Aufgaben sind jetzt, Vertrauen zu bilden und durch engere Abstimmung mit unseren Partnerländern Probleme zu vermeiden, aber auch die richtigen Rahmenbedingungen für Investitionen zu setzen. Denn die Versorgungssicherheit für Strom hängt vor allem auch von der Qualität der technischen Infrastruktur ab.“, so Franke.

Gründe für die Skepsis sind vielfältig

So euphorisch die Energiewende in Deutschland, insbesondere von Seiten der Politik, gern gesehen wird, es zeigt sich doch deutlich dass das Ausland dies schon um einiges kritischer sieht. Sicher liegt die Skepsis auch darin, dass viele Länder Angst haben in einer Regenerativwirtschaft keine Versorgungssicherheit mehr gewährleisten zu können und dieses Modell deshalb ablehnen. Deutschland zentrale Position in Europa, auch als Exporteur von Überschussstrom, wird daher als Gefährdung der europäischen Stromversorgungssicherheit angesehen. Weiterhin kommt eine ökonomische Verunsicherung hinzu, die durch den Preisverfall an der Europäischen Strombörse im Zuge der vermehrten Einspeisung erneuerbarer Energien entsteht. Viele Länder beobachten, wie die Energieversorger mit konventionellen Kraftwerken im Preiskampf um günstigen Börsenstrom nicht mehr mithalten können. Der Zwang auf erneuerbare Energien umzustellen führt wiederrum zum geschilderten Problem mit der Versorgungssicherheit. So sind die Zweifel einerseits berechtigt, was die Sinnhaftigkeit der Energiewende als Maßnahme zur Reduktion der Treibhausgasemissionen allerdings nicht in Frage stellen darf und wird.

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