Japan schwenkt um in Richtung Atomkraft

Beinahe zwei Jahre ist es her, dass das Reaktorunglück im japanischen Fukushima die Ansicht auf die Atomkraft weltweit verändert hat. Ein Erdbeben und anschließender Tsunami an Japans Küste hatten damals auch das Atomkraftwerk Fukushima Daiichi getroffen und nach mehreren Explosionen in den Reaktoren so eine Kernschmelze ausgelöst.

Das Unglück hatte im März 2011 den Regierungen weltweit vor Augen geführt, wie schnell es zu einer solchen Katastrophe kommen kann. Während Deutschland schnell reagierte und noch im gleichen Jahr beschloss, aus der Atomkraft auszusteigen und in diesem Entschluss bald Nachmacher wie die Schweiz oder Belgien fand, ist Japan an sich nun zwei Jahre nach der Katastrophe scheinbar wieder auf dem Weg zurück an den Punkt, an dem man sich vor dem Tsunami schon einmal befand.

Die neue japanische Regierung unter dem konservativen Ministerpräsidenten Shinzo Abe, die Mitte Dezember gewählt worden war, kündigte nun an, wieder in die Atomkraft einsteigen zu wollen. Abes Vorgänger Yoshihiko Noda hatte sich noch dafür eingesetzt, dass Japan langfristig aus der Atomkraft aussteigen solle, doch die konservative Partei, die nun an der Macht ist, betont immer wieder, dass die Energiepolitik ein wichtiger Wachstumsfaktor der Wirtschaft darstellt.

Würde man die bestehenden Meiler des Landes nicht wieder anfahren, so sei mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu rechnen, die sich Japan so nicht leisten könne. Der Ausbau der erneuerbaren Energien könnte zwar so einiges auffangen, doch nachdem sich kurz nach der Wahl die Atomindustrie eingeschaltet hatte und den Druck erhöhte, war davon bald nicht mehr die Rede.

Noch sind 48 Atommeiler Japans abgeschaltet. Sie müssten weiteren eingehenden Sicherheitsprüfungen unterzogen werden, bevor man sie wieder hochfährt, doch wenn man den Kurs der neuen japanischen Regierung betrachtet, ist es eindeutig, dass genau dies passieren wird. Schon im letzten Jahr waren, noch unter Noda, zwei Reaktoren in Westjapan wieder ans Netz gegangen. Zahlreiche weitere werden wohl bald folgen. Auch über den Neubau von Reaktoren wird nachgedacht.

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