Kurzmeldung zum Golf von Mexiko: Weitere Havarie

Seit die Bohrinsel „Deepwater Horizon“ mit bis heute rund 6,5 Millionen Barrel Rohöl die schwerste Ölpest durch eine Einzelhavarie verursacht hat und damit das gesamte Ökosystem im Golf von Mexiko langfristig zu verseuchen droht, wird deutlich, dass das Problem der Unsicherheit in der Ölförderung und dem Transport von fossilen Brennstoffen noch lange nicht gelöst ist.

So wurde heute vermeldet, dass ein Schleppkahn vor der Küste Louisianas in der Nacht eine Bohrplattform gerammt hat, was wiederum zum Austritt von Öl und Gas zur Folge hatte – allerdings längst nicht in dem Ausmaß der Deepwater Horizon. Der Kapitän des Schleppkahns gab an, die Plattform wäre nicht beleuchet gewesen; Ralph Sina, ARD-Korrespondent in Washington, berichtet indes, dass in der Firma der ehemaligen Betreibergesellschaft im texanischen Houston niemand das Telefon beantwortet.

Das erste Loch ist zu, schon platzt ein neues auf

Seitdem die Deepwater Horizon Ende April diesen Jahres vor Louisiana im Meer versunken ist, gab es eine ganze Reihe weiterer Havarien: So gelangten vor Singapur durch die Kollision des Tankers „Bunga Kelana 3“ mit dem Massengutfrachter „Waily“ am 25. Mai etwa 2500 Barrel Rohöl ins Meer, am 20. Juni führte eine Pipeline-Explosion im Hafen der chinesischen Hafenstadt Dalian zum Auslaufen von etwa 1500 Barrel Rohöl – nicht einmal einen Tag, nachdem man im Golf von Mexiko endlich das Unglücksbohrloch geschlossen hatte. Die berühmte Glocke von BP scheint indes seit zwei Wochen zu halten — das ist immerhin eine gute Nachricht.

Den Amerikanern geht’s schlecht – vergessen wir Afrika!

Eine andere Meldung ging beinahe völlig unter: Wie der Umweltjournalist John Vidal im britischen „Observer“ berichtet, geschieht im wenig beachteten Nigerdelta eine Katastrophe vom Stile der Deepwater Horizon seit vielen Jahren: Hier werden bei einem Bohrvorhaben von ExxonMobil, Shell, BP und weiteren nahezu alle Sicherheitmaßnahmen höchstens unzureichend eingehalten, was immer wieder zu Explosionen bei Bohrlöchern und Leckagen in Pipelines führt. Und wenn es nicht brennt, dann sickert das Öl aus undichten Rohrleitungen und Schlackebecken betändig in die Umwelt und vergiftet Flusswasser, Trinkwasser und Böden.

„Stellenweise wateten wir hüfthoch durch reines nigerianisches Rohöl“, berichtet Vidal. Am 1. Mai explodierte wieder eine Pipeline im Bundesstaat Akwa Ibom und über 35.000 Barrel liefen rund sieben Tage lang ungehindert in das schon stark angeschlagene, sensible Ökosystem des Nigerdeltas. Mindestens elf Tote verursachte die Explosion – ungezählt sind jedoch in der Bevölkerung die Opfer von Vergiftungen, Armut und Ausbeutung.

Zur Erinnerung: Ein Barrel entspricht 158987 Litern, bereits ein Tropfen von ca. 0,2 ml Rohöl vergiftet bis zu 8000 Liter Trinkwasser.

Ungeachtet der massiven Auswirkungen von Deepwater Horizon, Dalian und dem für Jahrhunderte verseuchten Nigerdelta – beinahe sarkastisch muss man konstatieren: Die Hunde bellen, doch die Karawane zieht weiter … Petroleum nach Europa bringen!

Eine weitere Meldung des heutigen Tages stellte wieder einmal den besonderen Humor der Briten unter Beweis: Tony Hayward, der glücklose und gehasste BP-Manager, gibt seinen Posten ab. Feuern will man den Mann jedoch nicht — statt dessen schicken ihn seine Vorgesetzten in die Wüste: die Eiswüste. So wird Hayward in Zukunft BP in Alaska führen, auch so eine blühende Landschaft der Ölindustrie inmitten äußerst gefährdeter Naturschutzgebiete. Ist die nächste Ölpest schon regelrecht vorprogrammiert? Oder haben die Briten ganz einfach das sowjetische Modell für Straftäter für sich entdeckt?

Quellen:

Bericht der NY Times: Öl am Golf verschwindet schneller als erwartet

Arbeitsblatt zum Bericht des Tankerunfalls vor Singapur.
http://www.mpa.gov.sg/sites/images/pdf_capture/MT%20Bunga%20Kelana%20and%20MV%20Waily%20Annex%20Update%206%20%2829%20May%2010%201700hrs%29%20FINAL.pdf

Bericht des Marinelinks zum Unfall vor Singapur
http://www.marinelink.com/news/singapore-collide-kelana334372.aspx

John Vidal: Nigeria dwarfs Deepwater Horizon
http://www.guardian.co.uk/world/2010/may/30/oil-spills-nigeria-niger-delta-shell

Bericht von Greenpeace Deutschland:
http://www.greenpeace.de/themen/oel/nachrichten/artikel/china_neues_oelunglueck/

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