Lebendige Erde – Terra Preta

Eine Erde, die niemals auslaugt, die jede Fruchtfolge aushält, dabei besonders hohe Erträge bringt und sich sogar selbst regeneriert:

Was Bodenreformen, künstliche Düngemittel und die Agrarforschung der vergangen Jahrhunderte in der sogenannten westlichen Zivilisation nicht zu leisten vermochten, haben die Mayas und Inkas offenbar schon vor rund 2000 Jahren erreicht:

Die schwarze Erde – lebendiger Acker

Terra Preta (portugiesisch: schwarze Erde), bezeichnet eine anthropogene, also von Menschenhand geschaffene Bodenform, die in Südamerika weite Strecken des Landes seit Jahrhunderten mit Nährstoffen versorgt und sich dabei stetig selbst erneuert.

Ende der 1980er Jahre entdeckten Archäologen und Geologen im Amazonasbecken eine dunkle, fette Erdschicht, die sich deutlich von dem in Südamerika sonst üblichen, eisenreichen roten Ferosol abhebt. So konnten die Forscher anhand von Bodenmessungen und Fotos eindeutig beweisen, dass es sich nicht um eine natürlich entstandene, sondern gezielt von Menschen über Generationen hinweg kultivierte Erdschicht zwischen 50 Zentimetern und 2 Metern Tiefe handelt. Rund zehn Prozent der Fläche Amazoniens seien auf diese Weise mit Terra Preta bedeckt und zu fruchtbaren Agrarböden verwandelt worden.

Vierfacher Ertrag – ohne künstliche Dünger

Terra Preta ist im Grunde genommen nichts weiter als ein Pflanzensubstrat, gemeinhin als Komposterde bekannt. Das besondere ist anscheinend der hohe Kohlenstoffanteil, der laut den Wissenschaftlern auf die Brandrodung des Waldes durch die indigenen Völker zurückzuführen sei. Die Holzkohle in der Erde speichert besonders viel Wasser, zusätzlich bewirkt der hohe Kohlenstoffanteil im Boden, dass die Ionenstruktur der Nährstoffe für die Aufnahme durch Pflanzen bestens geeignet ist. So ermöglicht Terra Preta den Pflanzen ein optimales Wachstum durch einen optimalen Nährstoffaustausch mit der Erde. Absterbende Pflanzenteile versorgen die Erde stetig mit frischem Stickstoff, Bakterien und Pilze halten den Zyklus stetig am Laufen.

Kur für tote Böden?

Interessanterweise ist die altbekannte Mischung Kompost in Form der aufgepeppten Terra Preta auch in der Lage, karge oder gar tote Böden zu regenerieren: Die Nährstoffkombination der Terra Preta vermag nachweislich unfruchtbare Böden in nachhaltig fruchtbares Ackerland zu verwandeln. Dies eröffnet wiederum viele Möglichkeiten, um die intensive Landwirtschaft zu entschleunigen und die ausgelaugten Böden in Europa und Nordamerika zu entlasten, und spart dabei ein nicht unbeachtliches Quantum an künstlichen, erdölbasierten Düngemitteln. Karge und arme Regionen könnten gestärkt und wirtschaftlichen und sozialen Konflikten vorgebeugt werden – etwa in Afrika und den ehemaligen Satellitenrepubliken der Sowjetunion. Die Wüstenbildung durch Brandrodung und Monokulturen könnte effektiv bekämpft werden – und das alles mit dem simplen, altbewährten Mittel kompostierter Küchenabfälle!

Terra Preta – aus Morbach in die ganze Welt

Noch heute sind die wiederentdeckten Terra Preta-Areale in ihren Eigenschaften unverändert geblieben und nach wie vor landwirtschaftlich nutzbar. Ihre jahrhundertelange Persistenz gegenüber diversen natürlichen und menschlichen Einflüssen ist ein erstaunliches Phänomen, das die Terra Preta von allen anderen bekannten Bodenformen unterscheidet.

In Morbach nahe Hunsrück will eine Gruppe engagierter Unternehmer die Terra Preta für den breiten Markt zugänglich machen: Aus Holzkohle, Dung, Küchenabfällen bzw. Abfall aus Biomassekraftwerken wird in einer Kompostieranlage jährlich über 50.000 Tonnen Terra Preta zu erschwinglichen Preisen produziert werden. Die Anlage soll in diesem Jahr fertig gestellt werden und 2011 mit der Produktion begonnen werden. Die Betreiber sind zuversichtlich, damit nicht allein eine Marktnische zu füllen, sondern ganz konkret etwas für eine bessere Umwelt zu tun:

Terra Preta: die Antwort auf viele Probleme?

So kann die schwarze Erde gleich für eine ganze Vielzahl von klima- und bodenrelevanten Problemen eine nachhaltige Lösung bedeuten. Neben dem positiven Effekt für Böden, die Umwelt und das Klima durch einen optimalen Nähstoffkreislauf, bietet die Terra Preta weitreichende Möglichkeiten für die effizientere Nutzung der Ressourcen, für den Naturschutz und Biodiversität, und damit langfristig auch die regionale Wertschöpfung im kulturellen, sozialen sowie dem wirtschaftlichen Sektor.

Quellen:
http://www.das-gold-der-erde.de/

http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=3274602

http://www.planet-wissen.de/natur_technik/wald/amazonien/terra_preta.jsp

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2006/0810/wissenschaft/0005/index.html

http://www.woz.ch/artikel/2009/nr15/wissen/17741.html

Originale TERRA PRETA

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