Neuseelands Abkehr vom Ökostrom

Immer wieder wird in Deutschland diskutiert, wie man eine versorgungssichere erneuerbare Energiewirtschaft ermöglichen kann. Abdeckung von Fluktuationen durch Biogas, Speichersysteme oder Smart Grids sind nur einige Ansätze die gegenwärtige hierzulande diskutiert werden. Im Gegensatz zu Deutschlands existieren allerdings auch Länder, die geografisch so begünstigt sind, dass die Versorgungssicherheit durch erneuerbare Energien kaum oder auch gar nicht in Gefahr gerät. Eines dieser „regenerativen Schlaraffenländer“ ist Neuseeland. Der Inselstaat, nahe Australien, hat die optimalen klimatischen und geografischen Rahmenbedingungen, um als erste Nation der Erde ein zu 100 Prozent auf erneuerbaren Energien basierendes Stromsystem in die Tat umsetzen zu können. Schon heute produziert Neuseeland 80 Prozent seines Strombedarfs mittels erneuerbaren Energien.

Seit jeher ein Vorbild

Neuseeland setzt vor allem auf Geothermie, Windkraft und Wasserkraft. Wind hat der Staat, der vom Pazifischen Ozean umringt wird, durch seine beinahe durchgehende Küstenlage genügend. Auf der Südinsel fließen viele Flüsse entlang der neuseeländischen Alpen, daher setzt man dort seit vielen Jahren auf Wasserkraft. Die Nordinsel ist durch den Pazifischen Vulkangürtel, der durch sie verläuft, perfekt für eine profitable geothermale Energieerzeugung geeignet. Zudem verfügt das Land über ein Nord-Süd Stromkabel zwischen den beiden Inseln, welches den Konkurrenzdruck auf den Strommarkt aufrecht erhält und so den Strompreis drückt. 18 Cent pro Kilowattstunde bezahlt man daher momentan für neuseeländischen Strom.

Plötzlicher Richtungswechsel

All das klingt beinahe zu schön um es zu glauben und doch ist es in Neuseeland Realität. Umso mehr verwundert es, wenn man die derzeitige Haltung in Neuseelands Energiepolitik betrachtet. Der neuseeländische Premierminister Key hält zwar weiterhin am 90 Prozent Ausbauziel seiner Amtsvorgängerin Helen Clark fest, doch trotzdem wirkt es so als ob er einen energiepolitischen Wechsel anstrebe. So interessiert sich der Premier vor allem für die Öl- und Gasfelder in der Tasmanischen See. Zudem will sich Neuseeland an der zweiten Verpflichtungsdauer des Kyoto-Protokolls nicht beteiligen. Wolfgang Scholz, Leiter der Heavy Engineering Research Association (HERA) in Auckland meint dazu treffend: „Neuseeland ist kein Vorzeigeland mehr. Die Regierung hat sich aus den Erneuerbaren Energien herausgewunden“.

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