Deutsche Bürger setzen auf Ökostrom und sind bereit für diesen einen höheren Preis zu zahlen

Durch die von der Bundesregierung beschlossene Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke werden die Atommeiler noch mindestens die nächsten 25 Jahre am Netz bleiben. Atomstrom wird bereits seit 40 Jahren vorwiegend genutzt, jetzt zeichnet sich jedoch eine Trendwende in der Einstellung der Deutschen zum Atomstrom ab. Einer repräsentativen Studie der BAT-Stiftung, bei der 2000 Menschen ab 14 Jahren befragt wurden, zu Folge sind ganze 61 Prozent der Bundesbürger bereit zukünftig verstärkt aus regenerativen Energien gewonnenen Strom zu nutzen, auch wenn dieser teurer ist. Strom aus Atomkraft bevorzugen nur 8 Prozent der Befragten. 31 Prozent gaben an sich nicht wirklich mit dem Thema zu beschäftigen. Professor Dr. Ulrich Reinhardt sagte dazu: „Die Bevölkerung ist mehrheitlich bereit, für Ökostrom zu zahlen. Wenn nur die Hälfte der Befürworter alternativer Energieformen wirklich umsteigt, wird sich der heutige Anteil am privaten Endenergieverbrauch von etwa 10 % in nur einem Jahrzehnt verdreifachen“.

Aus der gleichen Studie geht allerdings auch hervor, dass das umweltbewusste Verhalten im Vergleich zu vergangenen Jahren nachgelassen hat. Nur noch knapp über zwei Drittel der Bevölkerung sind bereit persönliche Einschränkungen hinzunehmen, wenn dies der Umwelt nachhaltig hilft. Dazu Reinhardt: „Zwar ist die junge Generation überdurchschnittlich häufig bereit, z. B. Solarzellen einzubauen, den Müll zu trennen oder öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, aber auf die Urlaubsreise ins Ausland wollen sie nicht verzichten und auch beim Kauf von Bioprodukten oder der Einsparung von Wasser und Strom zeigt die junge Generation weniger Bereitschaft als der Rest der Bevölkerung.“

Erwähnenswert ist außerdem die gesunken Angst der Deutschen vor den Auswirkungen des Klimawandels. Nur noch 28 Prozent aller Befragten fürchten die negativen Folgen des Klimawandels. Der Glaube, dass die Wissenschaft, die Forschung und die Politik in den nächsten Jahren auch zu diesem Problem über kurz oder lang eine Lösung finden werden, ist umgekehrt erheblich gewachsen. So glaubt heute fast ein Drittel an baldige Erfolge. 3 Jahre zuvor waren es gerade einmal halb so viele. Professor Dr. Ulrich Reinhardt erklärt: „Obwohl die Erkenntnisse zum Klimawandel Bestand haben, sind diese für viele Bürger immer noch weder (be-)greifbar, noch werden sie als persönlich relevant beurteilt. Die Bevölkerung hat andere Sorgen wie beispielsweise die zunehmende Spaltung der Gesellschaft, Arbeitslosigkeit oder die Angst vor Armut. Zudem haben die teilweise widersprüchlichen und übertriebenen Aussagen von Experten zur Verwirrung und zu Zweifeln geführt.“

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