Ökostrom im Westjordanland, ein gewagtes Projekt

Der Nahost Konflikt brodelt seit Jahrzehnten vor sich hin, die Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern wollen sich einfach nicht legen. Durch ein Projekt mit erneuerbaren Energien sollte vor einigen Jahren das Leben der Palästinenser, die in der so genannten C-Zone des Westjordanlands leben, leichter gemacht werden, doch jetzt droht es zu scheitern. 

Unter der C-Zone versteht man die Gebiete im Westjordanland, die von Israel verwaltet werden. Vor einigen Jahren starteten hier zwei Israelis, die von dem ständigen Konflikt die Nase voll hatten, ein Projekt in dessen Zuge sie Solarkollektoren und Windräder aufbauten. Unterstützt wurde die Aktion unter anderem von der deutschen Bundesregierung. Sie half bei der Finanzierung des Projekts und steuerte um die 600.000 Euro bei. Dies war vielleicht ein Fehler, denn Israel sieht es gar nicht gerne, wenn palästinensische Gebiete von EU Staaten unterstützt werden.

Seit beinahe zwei Jahren stehen die Solaranlagen und Windräder in den Hügeln südlich von Hebron und versorgen die Gegend so mit Strom, der zuvor Mangelware war und nur durch alte Generatoren manchmal gewährleistet werden konnte. Die Menschen hier haben sich mittlerweile an den Luxus des Ökostroms gewöhnt, doch Israel will der Idylle offenbar bald ein Ende setzen und den Palästinensern in insgesamt 16 Gemeinden den Strom abdrehen. Der Abriss der Anlagen in sechs Gemeinden ist bereits geplant, indem der erste Schritt zu einem Abrissbefehl gegeben wurde, in Form einer Stop Work Anordnung.

Das Gebiet, das eh schon unter extrem schlechten Straßen und Strom- und Wassermangel zu leiden hat, ist durch die Nutzung von Strom regelrecht aufgeblüht. Landwirtschaft kann so besser betrieben werden, die Lebensmittelprodukte, die hergestellt werden, können beispielsweise kühl gelagert werden, was bisher überhaupt nicht möglich gewesen war. Die Abrissbefehle sind ein schwerer Schicksalsschlag für die Gemeinden. Doch es könnte womöglich nicht nur ein Schritt gegen die palästinensischen Gebiete an sich, sondern auch gegen unterstützende Staaten aus Europa sein. Da Deutschland zu einem großen Teil an der Investition des Projekts beteiligt war, ist davon auszugehen, dass der Abriss eine Warnung an europäische Staaten sein soll, nicht in Projekte im C-Gebiet zu investieren. Ähnliches war bereits mit einem Projekt geschehen, das Spanien mitfinanziert hatte.

Doch egal, an wen es gerichtet ist. Der Streit wird auf dem Rücken der C-Zonen Bewohner ausgetragen, die möglicherweise bald wieder ohne Strom dastehen.

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