Smart Cities – Nachhaltige Zukunft der Stadt(-werke)

Die Spannung wächst – Zehn Thesen zu Energie – Wohnen und Mobilität

von Dieter Lindauer, Leiter Elektromobilität der Modellregion Rhein-Main für das BMVBS und das HMWK des Landes Hessen a.D., wohnhaft in Mainz

Rettet unsere Städte jetzt: Es ist festzustellen, das „breiartige Auseinanderfließen der Stadtstrukturen“, das „Absterben der vom Individualverkehr lahmgelegten  und erstickten Innenstädte“, die „zunehmende Verschmutzung, ja Vergiftung der Luft und des Wassers“,  den sich ständig „ausbreitenden Lärm“ und die „öffentliche Armut, die im harten Kontrast zum privaten Wohlstand steht, so Hans-Jochen Vogel, Präsident des Deutschen Städtetages bei der Vollversammlung 1971, zitiert aus dem Manifest der Oberbürgermeister aus dem Jahr 1994.

Im Jahr 2010 haben wir eine zu hohe Schuldenlast der Kommunen, in den Innenstädten werden Umweltzonen diskutiert und realisiert und im Ausland partiell innerstädtische Mautzonen eingerichtet. Erstmals nach dem Krieg machen die so genannten Transferleistungsbezieher über 50 Prozent der Bevölkerung aus. Das Manifest der Oberbürgermeister und auch die Aussagen von Hans-Jochen Vogel sind auch heute, 40 Jahre später noch brandaktuell.

Dezentrale und regenerative Energien sowie Elektromobilität könnten zukünftig eine Lösung für saubere Individual-Mobilität, für weniger Lärm und weniger Luftemissionen für lebenswertere Innenstädte sein; pulsierende und zugleich saubere Kommunen.
Smart Cities sind geboren. Den Elektroautomobilen kommt hierbei besondere Bedeutung zu. Ihre Wirkung ist elektrisierend. Die Nationale Plattform Elektromobilität spricht von 1 Million Elektroautos im Jahr 2020 auf deutschen Straßen.

Energie, Mobilität und Facilities für Wohnen und Arbeiten wachsen als kommunaler Dreiklang und Infrastrukturfaktor für Lebensqualität stärker zusammen. Mobilität wird elektrisch und das Mobilitätsverhalten verändert sich, Energie- und Wärmeversorgung wird dezentral, Energiekonsumenten werden tendenziell zu Energieproduzenten, Energiespeicherung wird Schlüsselthema, Energieeffizienz in Gebäuden zur Senkung der zweiten Miete wird für die Vermietbarkeit immer wichtiger und visionär wird dezentrale Energie ein Erfolgsfaktor für die Lebensmittelversorgung „um die Ecke“ in Ballungsräumen sein.

Die erste von zehn nachhaltigen Thesen für die smarte Stadt oder für Energie – Mobilität – Wohnen ist:

1. Neue Mobilität – Automobile werden sich verändern

Den ersten praxistauglichen Elektromotor entwickelte der deutsch – russische Ingenieur Hermann von Jacobi 1834, 40 Jahre vor dem Verbrennungsmotor. Ferdinand Porsche präsentierte auf der Weltausstellung 1900 den „Lohner“-Porsche als Elektroauto in Paris. Doch die E-Vehikel hatten aufgrund der geringen Reichweite keine Chance.

Heute haben nur ca. 1.600 von 45 Millionen in Deutschland zugelassenen Autos einen Elektromotor, doch das soll sich ändern. Die besten Eigenschaften der Stromfahrzeuge sind auch die besten Argumente für deren Existenz. Sie erzeugen kaum Motorlärm, keine Abgase, halten Fahrspaß bereit, die Energiekosten sind gering und die Unabhängigkeit von Mineralölkonzernen wächst.

In den kommenden Jahren werden Elektrofahrzeuge entwickelt, bei dem in jedem der Räder eine Antriebseinheit sitzt. Beim Bremsen werden dann die vier Motoren Energie zurückgewinnen können. Durch diese Antriebsform bieten sich Designern neue Möglichkeiten der Unterbringung von Funktionalitäten. Die Innenanordnung des Fahrzeugs ist nicht mehr durch den Verbrennungsmotor und die Kardan- sowie durch die Achswellen bestimmt Der freie Bauraum vergrößert sich signifikant. Die Handbremse müsste beispielsweise nicht mehr mittig angeordnet werden. Großraumfahrzeuge ohne Mittelkonsole sind denkbar. Der Verzicht auf eine starre Lenksäule ist möglich wie auch auf Pedale. Das Fahrzeug könnte mit Joy-Sticks gesteuert werden. Vieles kann möglich werden. Das Innovationspotenzial ist aus heutiger Sicht kaum zu fassen. Leichtbauweisen und Verwendung von nachhaltigen Recyclingstoffen sind weitere Aspekte der Neugestaltung von Automobilen, ohne auf Sicherheitsaspekte verzichten zu müssen. Wenn die Karosserie durch Leichtbau und Recycling erheblich günstiger wird, kann die Batterie durchaus kostenintensiver bleiben. Heute ist sie jedoch immer noch der Pferdefuß, sie ist zu teuer, nimmt zu wenig Energie auf, ist zu schwer und selbst bei funktionierender Schnellladung wird sie voraussichtlich nicht unter 30 Minuten mehrheitlich aufgeladen sein. Die 400 Volt-Quellen für den Fluence Z.E. von Renault für die Schnellladung werden jedoch erst 2013 zur Verfügung stehen. Der Erfolg von Elektroautos wird nicht allein von der Forschung für Batterietechnik, Fahrzeugkarosserien und Fahrzeugtechnik sowie Ladeinfrastruktur abhängen, sondern letztlich wie groß der „politische Wille“ ist.

2. Jugend verzichtet auf Statussymbol Auto – Nutzen statt  besitzen oder Energie- und Mobilitätscenter in Kommunen oder statt einer Gehaltserhöhung gibt es ein Nutzungsrecht an einem Elektrofahrzeug

Die Shell-Jugend-Studie 2010 führen tendenziell aus, dass das Auto als Status-Symbol bei Jugendlichen abnehmend ist, sondern Klimafreundlichkeit bei 2/3 der Nutzer im Vordergrund steht.  Neue Mobilitätskonzepte wie Car2Go in Ulm/Neu-Ulm werden erprobt, denn nicht mehr das Auto wird im Vordergrund stehen, sondern das eingelöste Mobilitätsversprechen von  A nach B in definierten Standards. Abfahrbereit: Mit dem Mietsystem Car-2-Go widmet sich Daimler den Mobilitätskonzepten der Zukunft.

Anytime – anywhere – Mietautos in Selbstbedienung – Mobilitätskonzepte müssen sich an den Rahmenbedingungen orientieren, „da wo viele Menschen sind, aber keine Parkplätze. Einsteigen, losfahren, abstellen.

Auf dem Führerschein installierten Chip hält der neue Fahrer/die neue Fahrerin das Lesegerät hinter der Frontscheibe, die Tür öffnet sich, der Zündschlüssel sowie die Gratis-Tankkarte befinden sich im Handschuhfach und nach Eingabe des Fahrzeugzustandes per Bildschirm kann die Fahrt beginnen; zukünftig mit „chicen“ e-smarts. Bezahlt wird nach Minuten der Nutzung.

Die Stadt(-werke) sollten kommunales Know-How zur Schaffung eines Energie- und Mobilitätscenters bündeln, um Energie- und E-Mobilität erfahrbar zu machen, um E-Mobilität hinsichtlich Schnellladung, Infrastruktur, Ladezyklen, Sicherheitsaspekten, Bedienerfreundlichkeit zu erforschen und letztlich die Lebensqualität der (Innen-)Städte zu erhöhen.

Parkhäuser am Hauptbahnhof könnten zu E-Mobilitäts-zentren in den Städten werden. Pendler können zwischen Wohn- und Arbeitsort bzw. zum „Businesstermin“ den Zug (Öko-Ticket) und das E-Auto nutzen und somit  möglichst CO2-neutral reisen. Ferner sollte ein Energie- und E-Mobilitäts-Technologiezentrum kommunal aufgebaut werden, um die Wertschöpfungscluster einer Kommune zu bündeln, um Standortvorteile zu generieren.

Beispiel: Das Energie- und Mobilitätszentrum managed ein analoges Car – 2 – Go –Konzept mit tausenden von Fahrzeugen in der Metropolregion und least e-Bikes sowie Elektroroller. Kompetenzen der Energie-, der Mobilitäts-, der Automobilwirtschaft werden im weitesten Sinne zusammen geführt.

In Rom, London, Paris, Berlin und New York werden 1.500 Smart Electric Drive Smarts als Leasing Autos angeboten und erprobt.

Durch EU-Verordnungen sind die Kommunen in der Zwangslage, auf die Belastungen der Feinstäube und Stickstoffdioxide zu reagieren. Besonders deutlich wird dies an dem Schadstoff NO2, an dem im Ballungsraum der motorisierte Individualverkehr zu mehr als 50 % beteiligt ist. Umweltzonen und Maßnahmen zur Luftreinhaltung seien hier explizit angesprochen.

Die Kommunen und die Stadtwerke im kommunalen Besitz haben die Chance sich als „Smart Cities“ dem Dreiklang  von Energie-, Mobilität- und Wohnen zu stellen. Sowohl die Wertschöpfung wie auch die Positionierung der Stadt wird positiv gestaltet.

3. Die Super-Batterie – in einer Stunde brauche ich dich mit einer Ladezeit von 5 Minuten

Der Energieinhalt von 50 Litern Benzin entspricht 450 Kilowattstunden bei einem Gewicht von 38 Kilogramm. Der Litium-Ionen-Akku eines Teslas verfügt über 55 Kilowattstunden und wiegt rd. 450 Kilogramm. Eine neue Art von Lithium-Ionen-Akkus, am Massachusetts Institute of Technology (MIT) von Gerbrand Ceder und Byoungwoo Kang entwickelt, sorgt für Gesprächsstoff und für Ladezeiten von rd. 5 Minuten. Sie verknüpfen zwei Batterieeigenschaften Energiedichte und Leistungsdichte von Batterien, die nur schwer vereinbar waren. Die Energiedichte gibt an, wieviel Energie pro Volumen oder Masse die Batterie speichern kann, die Leistungsdichte ist die Maßeinheit, wie schnell die Batterie Energie aufnehmen oder abgeben kann. Im Rahmen der Entwicklung wird die Kathode durch eine leicht veränderte Lithium-Eisen-Phosphat-Substanz beschichtet
und damit die Leistungsdichte stark erhöht. Ladezeiten von 5 Minuten könnten somit serienreif in drei bis fünf Jahren möglich werden. Die Litium-Ionen-Akkus müssen, damit sie sich rasch laden und entladen lassen, durch flüssige, organische Elektrolyten fließen. Diese sind jedoch leicht entzündlich. Die Reduzierung der Brandgefahr ist hierbei ein Forschungsthema. Eine andere Entwicklung, die Lithium-Luft-Akkus lassen ebenfalls hoffen. Bei diesen Akkus übernimmt Luftsauerstoff die Funktion der Kathode. Doch eines ist klar, Batterien kennen die Kunden aus dem täglichen Gebrauch und sie haben eine hohe Kundenakzeptanz. Selbst bei geringerer Energie- und Leistungsdichte ist die Nutzungsakzeptanz – auch als Speichermedium – gegeben, so wird sie in Entwicklungsländern bereits seit Jahrzehnten als Energiespeicher für den täglichen Bedarf genutzt. In wie weit Wasserstoff und die Brennstoffzelle technologisch, im Akzeptanzgrad der Kunden und in der Wirtschaftlichkeit vorne liegen kann, wird sich erweisen. Die Firma Callux hat im Bereich der stationären Energieversorgung mit Brennstoffzellen bereits 70 Anlagen ausgeliefert. Übrigens: Derzeit stellt der Weltmarktführer Sanyo bereits pro Jahr über 700 Millionen Lithium-Ionen-Akkus her.

4. Energie – so regenerativ und dezentral wie möglich – soviel 380 kV – Leitungen wie nötig

Die  Kooalition aus CDU und FDP hat den Öko-Kurs in ihrem Koalitionsvertrag fixiert. „Wir wollen den Weg in das regenerative Zeitalter gehen.“ Hat jedoch das regenerative Zeitalter trotz der Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke und der Brennelementesteuer begonnen?

Bis zum Jahr 2030 soll die bei Starkwind verfügbare Leistung der Offshore-Windparks auf 25.000 Megawatt ansteigen, mehr als die 17 deutschen Atomkraftwerke heute leisten. Wind-, Wasser-, Biomasse-, Abfall- und Solarstromanlagen liefern 2010 bereits ca. 17 % des in Deutschland verbrauchten Stroms.

Öko-Strom wollen viele, die Kunden, die Parteien und die Stadtwerke. Energie soll bezahlbar und sauber sein, so die Kunden. Jedoch um regenerativen Strom aus Offshore-Windparks zu den Abnehmern in  der Mitte und im Süden Deutschlands zu transportieren müssen gemäß der Deutschen Energie-Agentur dena bis  zum Jahr 2015 rd. 850 Kilometer Leitungen verbaut werden. Insgesamt gehen Schätzungen von bis zu 10.000 neuen Leitungskilometern aus.

Regionale Energiespeicher und intelligente Netze sind der Schlüssel künftiger Energieversorgung. Stromerzeugung in der Mittagszeit muss in die Abendstunden gespeichert werden können und das Netzmanagement steuert es intelligent. Nach Angaben des Fraunhofer Instituts für Windenergie und Energiesystemtechnik kann durch „intelligente Netze“ der Speicherbedarf auf rund die Hälfte reduziert werden. Sollten monetäre Mittel aus der Brennelementesteuer für regionale Energiespeicher und intelligente Netze eingesetzt werden?

5. ÖkoPlus Häuser, Häuser die Energie und Wärme produzieren werden zunehmen und Wohnungs-unternehmen werden zunehmende Energieproduzenten

Passivhäuser, Null-Energiehäuser und die Tendenz zur Wärmedämmung von Häusern haben unmittelbare Auswirkungen auf den Absatz von Primärenergieträgern wie Strom und Gas. Hinzu kommt, dass Bauträger und Wohnungsbauunternehmen im Neubausegment Preisnachlässe bei gleichbleibender Bauqualität, außer in sehr nachgefragten Lagen gewähren müssen. So errichten Wohnungsbauunternehmen Blockheizkraftwerke (BHKW) oder auch regenerative Anlagen (Solarthermie, Pelletheizung, …), um über Wärme-Contractingangebote ihre Wertschöpfung zu verlängern und um Margenverluste im Bau zu kompensieren. Ferner gibt es erste Pilotierungen von sogenannten Öko- oder EnergiePlus-Häuser, die mehr Energie produzieren, als sie verbrauchen. Wärmepuffer zwischen der Außen- und Innenwand des Hauses mit intelligenter Wärmeführung im Haus plus regenerativer Energieeinsatz ist ein Konzeptansatz. Hauseigentümer, ob Privatleute, Investoren oder (Wohnungs-)Bauunternehmen werden in Zukunft zu Einspeisern von Energie und damit die intelligente Netzsteuerung implizieren. In den ersten fünf Monaten diesen Jahres hat die EON Hanse AG 5000 Anträge zur Energieeinspeisung durch Solar, Windkraft, Biomasse oder Blockheizkraftwerk erhalten. Nach der BITKOM-Umfrage vom März diesen Jahres haben rd. 30 % aller Bürger und über 40 % der 30-50-Jährigen darüber nachgedacht Strom selbst zu produzieren. Es bedarf künftig einer engeren Zusammenarbeit der kommunalen und privatwirtschaftlichen Unternehmen der Energie- und der  Wohnungswirtschaft sowie der Agrarwirtschaft im ländlichen Raum. Energiemanagement für den Immobilien-/Wohnungsbestand wäre ein weiteres gemeinsames Geschäftsfeld. Auch können bereits heute Stadtwerke über Projektierungsleistungen Geld verdienen, wie der Erfolg des Unternehmens JUWI AG zeigt.

6. Smart Grids – Intelligente Anreizsteuerung für intelligente Stromnetze und Verschmutzung der Netzqualität

Erste Schritte sind bereits in diese Richtung eingeleitet worden: Der Einbau von intelligenten Stromzählern ist bei Neubauten und grundsätzlichen Renovierungen seit Anfang des Jahres gesetzlich vorgeschrieben. Sie geben den momentanen Stromverbrauch an und eröffnen die Möglichkeit der gezielteren Verbrauchssteuerung.

Doch Smart Meter kosten das Doppelte, als sie im Jahr einsparen und dienen noch nicht der Einspeisesteuerung. Ein Haushalt spart mit einem intelligenten Stromzähler maximal 50 Euro pro Jahr, den Niemand wird nachts kochen, weil der Strom dann weniger kostet. Nach Energie-wirtschaftsgesetz (EnWG) müssen die Versorger bis Ende des Jahres tageszeitabhängige Tarife anbieten. Dies wird zur Dynamisierung der Wechselbereitschaft der Kundengruppe der 30 bis 50-Jährigen, insbesondere der internetaffinen Kunden beitragen.

Die Politik ist gefordert ein Anreizsystem für Smart Grids, Smart Meter zu schaffen, damit Investitionen durch die Stadtwerke, für Ihre Stadt, getätigt werden.  In Mühlheim an der Ruhr stattet RWE 116 000 Einwohner mit digitalen Stromzählern aus, um Erfahrungen zu sammeln. EON will in diesem Jahr rd. 1,8 Millionen dieser Geräte in Europa installiert haben.

Das denkende Stromnetz soll ein intelligentes Verteilnetz von unterschiedlichen Einspeise –und Auspeisepunkten sein.

200 000 E-Fahrzeuge, die mit 40 kW Leistung am Netz hängen, könnten kurzfristig eine Leistung von acht Gigawatt zur Verfügung stellen – das ist mehr als Deutschland an Regelleistung benötigt, um Verbrauchsspitzen abzufedern.

Lastspitzen einer E-Mobil-Flotte, die durch ungeregeltes Aufladen entstehen, wirken sich jedoch direkt auf die Netzstabilität und auf die Energiebezugskosten aus. Elektrofahrzeuge können im künftigen Energienetz steuerbarer Verbraucher und dezentraler Erzeuger – also Produzent und Konsument zugleich sein.

Es ist das Verhalten des Stromversorgungsnetzes zu erproben, wenn bei Zuschaltungen Oberschwingungen entstehen, die sich aufschaukeln und das bei 50 Hertz schwingende Stromnetz aus „dem Takt“ bringen.

Auf der dänischen Insel Bornholm werden diese Auswirkungen geprüft. Eine Flotte von Elektroautos übernimmt die Funktion von Pumpspeicherkraftwerken zum Ausgleich der Windkraft und stellt damit die Regelenergie auch bei wenig Wind zur Verfügung.

Stadtwerke oder smart cities, die diesen Weg gehen, sollten durch die Anreizregulierung belohnt werden. Es wird sich um die Energiewirtschaft eine neue Branche der Informations- und Kommunikationstechnik entwickeln. Firmen wie Siemens, Telekom, Cisco, Vodaphone aber auch IT-Zulieferer wie die GIP AG werden davon profitieren.

7. IKT-Manager im Kommen

Informations- und Kommunikationstechnik wird durch die intelligenten Netze stark zu nehmen – ein neues Berufsbild mit hoher Wertigkeit entwickelt sich. Die flukturierende Einspeisung der erneuerbaren Energien und die Einbindung einer Vielzahl von dezentralen Stromerzeugern wird dies notwendig machen. Letztlich kommuniziert die Netzleitstelle mit dem Kühlschrank oder der Batterie des Kunden. Wir erinnern uns, es ist noch nicht lange her, dass Asset-Management in der Energiewirtschaft uns nicht viel sagte und es das Berufsbild noch vor Jahren nicht gab. Standards für Smart Grids und Durchgängigkeit bei der Informations- und Kommunikationstechnik werden notwendig.

8. Energiespeicherung gehört die Zukunft

Die dezentral und regenerativ gewonnene Energie muss speicherbar werden. Unterschiedliche Energiespeicher könnten hier zur Anwendung kommen. Von einfachen Möglichkeiten wie Nachtspeicheröfen und Warmwasserspeicher bis hin zu Fahrzeugbatterien und Wasserstoffspeichern. Auch an der Methanisierung von regenerativ erzeugten Strom wird derzeit an Max-Planck-Instituten sowie am Deutschen Institut für Luft- und Raumfahrt geforscht. Aus Strom wird Methan und es ist speicherbar. Manchmal bezahlen Energieversorger dafür, dass die Stromüberkapazitäten (sog. Negativstrom) abgenommen werden. Dies führt bspw. für Wasserkraftwerks-Betreiber für eine komode Situation. Sie lassen sich von den Energieversorgern den abgenommenen Strom bezahlen, mit dem sie das Wasser in höher gelegene Staubecken hochpumpen, um sie dann, wenn wieder viel Energie benötigt wird, durch ihre Turbinen rauschen lassen, um „teuren“ Ökostrom zu produzieren. Strom ist nicht speicherbar und muss bei Überkapazitäten kurzfristig verbraucht werden, damit die Netze keinen Schaden nehmen; in dem man Wasser in höhere Staubecken pumpt oder Methan bzw. Wasserstoff erzeugt. Per Elektrolyse spaltet man Wasser in Wasser- und Sauerstoff. Der Wasserstoff wird mit CO2 verbunden; es entsteht CH4 – Methan. 60 % der Ursprungsenergie bleibt erhalten. Auch Abwasserentsorgungsunternehmen können aus Faulgasen Methan gewinnen und damit einen Beitrag zur speicherbaren Energieversorgung im ländlichen Raum beitragen. In Energiespeichern liegt der Schlüssel für die Energieversorgung von morgen.

9. Neue Spieler und Kooperationen im Energiespielfeld – Google meets Stadtwerk?

Die Markteintrittsbarrieren zum Einstieg in den Energiehandel und –vertrieb sind für neue „Player“ gering geworden, insbesondere dann, wenn Sie über Marktmacht im Kerngeschäft verfügen und bereits im Massen-Consumermarkt (internetbasiert) tätig sind. Verstärkt wird dies durch Kooperationen oder Joint Ventures im Energiesektor. So sind Energie-Verbrauchsdaten online direkt in einem Google-Portal übermittelbar, Tarife über die Google-Plattform distribuierbar und durch Billing-Software abrechenbar. Jeder „click“ auf die Seite eines beispielsweisen international agierenden Suchmaschinenanbieters sorgt für Cross-Selling durchWerbeeinnahmen. Heute hat jedes Automobilunternehmen eine hauseigene Bank, um durch Finanzierungsprodukte den Abverkauf ihrer Automobile zu fördern. Ferner hat jedes Automobilunternehmen für den eigenen Energieeinkauf einen
„Trading Floor“, jedoch noch keine Energiemarke für ihre Fahrzeuge (Smart-Auto, Smart-E-Roller, BMW-E-Mini, Mini- E-Roller, Peugeot iOn und E-Roller Vivacity,  …). Lichtblick und VW AG haben es im Segment Mini-Heizkraftwerk vorgemacht, dass branchenübergreifende Kooperationen sinnvoll sind.

10. Vision: Vertikale Bauernhöfe in Ballungsräumen – Einkaufen beim Bauern in der smart City

Unsere Gebäude brauchen keine Innenwände, sondern Hydrokulturfelder, in den Getreide oder Reis gedeiht, in  Regale wächst das Gemüse und in Wassertanks werden Garnelen und Fische aufgezogen, so Dickson Despommier von der Columbia University in New York. Licht und Wärme kommen von Solarenergie, Wind- und/oder Wasserkraft, der Dünger könnte aus der Kanalisation kommen. Tausende von Menschen könnten in Ballungsräumen mit ökologischen Frischprodukten vor Ort durch Bereitstellung mit regenerativen Energien versorgt werden. Gemüse, Obst und Geflügel könnten vom Bauernhofhochhaus um die Ecke geholt werden. Hierdurch könnten durch wegfallende Transport- und Kühlung immense CO2 Emissionen gespart werden. Auch die Wassereffizienz ist mittels geschlossener Wasserkreisläufe wesentlich höher. Im System eines vertikalen Bauernhofes wäre etwa ein Liter Wasser pro Kilogramm Reisernte erforderlich. Im freien Anbau benötigt ein Kilogramm Reis ca. 700 Liter Wasser, so Despommier. Die größte Herausforderung ist der Energiebedarf der Hochhausfarmen, da die Pflanzen künstlich beleuchtet werden müssen. Auch bei kühnen Smart City –Visionen werden Stadtwerke als Partner vor Ort in ihrer Kompetenzvielfalt künftig gefragt sein.

Nachhaltigkeit  – (Rettet) Gestaltet unsere Städte jetzt – für mehr Lebensqualität und Wettbewerbsfähigkeit in Smart Cities

Den Stadtwerken kommt eine entscheidende Rolle zur Modernisierung der Städte der Zukunft zu.  Die Erfüllung sich neu entwickelnder Kundenbedarfe sind zum strategischen Geschäftsfeld zu erklären und Bedarfe der Mobilität, der Energie und des Wohnens integrierend zu analysieren, um als Stadt(-werk) vor Ort kommunale Positionierungen und eigene Strategiefelder abzuleiten.

Die Städte können sich heute nachhaltig positiv energetisch positionieren und einen strategischen Standortvorteil im Wettbewerb von Bürgern und Unternehmen generieren. Elektromobile sorgen für Entspannung und Erholung.

Nicht rettet, sondern gestaltet unsere Städte jetzt, so das heutige Manifest. Elektromobilität bietet trotz der Erwartung von VW Chef Martin Winterkorn von 3-5 % Marktanteil von Elektroautomobile für Stadtwerke eine Positionierungs- und eine regionale Kooperationschance. Die Brennelementesteuer birgt die Möglichkeit für gezielte regenerative Förderprogramme zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie und der Stadtwerke. Elektromobile werden durch die kostenintensive Batterie teuer bleiben, die Regierung sollte ein Endkunden-Förderprogramm für Elektroautos für 2012/2013 auflegen, um den Absatz deutscher Marken zu fördern und die Anfangsinvestitionen zu amortisieren. Smart Grids gehören die Zukunft. Dezentrale Energieversorgung, intelligente Netzsteuerung und Energiespeicherung vor Ort sind durch Bund und Land zu fördern. Null-Emmissionen-Kommune, Stadt des grünen Verkehrs, elektromobile Stadt bzw. Smart Cities, deren Verkehr und auch Gebäude weitestgehend ohne fossile Energieträger auskommen, sind zukunftsträchtig. Die Kommunen und Stadtwerke sollten in diesem Segment signifikant seitens der Bundes und der Länder im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategien finanziell unterstützt werden. Es sollte ein Smart City – Förderprogramm für Kommunen geben, dass die Ganzheitlichkeit der Maßnahmen umfasst und monetär fördert. Neue Wertschöpfung rund um die Energiewirtschaft wird entstehen.

Der Autor:

Dipl.-Betriebswirt, Dieter Lindauer, 44  Jahre, wohnhaft in Mainz, verheiratet zwei Kinder, ehemaliger Leiter der Modellregion Rhein-Main für Elektromobilität des Bundesministeriums für Verkehr, Bauen und Stadtentwicklung (BMVBS) und des Landes Hessen (HMWK)

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