Stille Stromfresser: Wie kann man Klärwerke energieautark gestalten?

Vielen Menschen ist es nicht bewusst, doch Kläranlagen sind laut Umweltbundesamt (UBA) die größten Stromfresser auf kommunaler Ebene. Beinahe 20 Prozent des kommunalen Energieverbrauchs gehen auf Kläranlagen zurück. So liegen die Wasseraufbereitungsanlagen auch vor der Straßenbeleuchtung oder Krankenhäusern. Daraus ergibt sich ein enormes Einsparpotential. In der jüngeren Vergangenheit sind daher diverse effiziente Anlagen entwickelt worden. Hauptargument ist zumeist die Wirtschaftlichkeit, aber auch der Klimaschutz und die Systemintegration im Zuge der Energiewende werden zunehmend zu zentralen Argumenten. In Berlin-Wandlitz steht eine besonders innovative Anlage. Das Klärwerk Schönerlinde ist nämlich beinahe energieautark.

Windräder und Blockheizkraftwerke

Im Rahmen der Nachhaltigkeits-Initiative der Berliner Wasserwerke (BWB) wurde das Klärwerk in der einstigen Erich-Honecker Kommune aufgerüstet. So ist die Anlage dazu in der Lage, an manchen Tagen mehr Energie zu produzieren als es verbraucht. Im Schnitt erzeugt die Anlage 22 Prozent des benötigten Stroms und 97 Prozent der benötigten Wärme selbst. Auch wenn die Aufrüstung die BWB zwölf Millionen Euro gekostet hat, lohnt sich die Investition, denn das Projekt ist positiv für das Image der Wasserwerke und spart Energiekosten ein. Die BWB planen zudem, dass Klärwerk dahingehend auszubauen das man schon in diesem Jahr mehr als Dreiviertel des eigenen Strombedarfs autark decken kann. Technisch setzt man bei der Stromerzeugung für die Kläranlage auf drei Windräder, ein Blockheizkraftwerk und eine Mikrogasturbine.

Das BHKW funktioniert mit Biogas

Das BHKW und die nachgeschaltete Turbine werden mit Biogas betrieben. Der große Vorteil ist, dass das Biogas aus dem Klärschlamm resultiert. So können auch Restprodukte des Klärprozesses direkt verwertet werden. Dass die BWB an die Umwelt denken müssen zeigen die Ausmaße des Betriebes. Mit einem jährlichen Stromverbrauch von mehr als 300 Gigawattstunden entsprechen allein die BWB einer mittelgroßen Stadt mit etwas mehr als 250.000 Einwohnern. Die Einsparmaßnahmen durch die energieautarke Umrüstung sparen daher rund 12.500 Tonnen Kohlenstoffdioxid pro Jahr.

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