Umweltschonende Militäreinsätze: Die Armeen entdecken die erneuerbaren Energien

Es klingt kurios, wenn gerade im Zusammenhang mit Militäreinsätzen, bei welchen Zerstörung nicht selten zur Normalität gehört, über erneuerbare Energien und umweltschonende Einsatzstoffe debattiert wird. Doch gerade das ist im Moment der Fall. Seit dem Jahr 2012 treffen sich Militärzulieferer und andere Akteure während der Military-Green-Conference in der Königlichen Militärakademie in Brüssel um über den Einzug grüner Technik in die Militärausstattung vornehmlich westlicher Streitkräfte zu sprechen. Oberster Beweggrund für die Umstellungswünsche ist allerdings weniger der ökologisch-idealistische Gedanke, sondern der Ökonomische. So ist beispielsweise der Kraftstoff, zumeist Diesel, in Krisen- und Kriegsgebieten zu teuer. Das soll geändert werden.

„Der Einsatz erneuerbarer Energie kann zu großen Einsparungen führen“

„Der Einsatz erneuerbarer Energie kann zu großen Einsparungen führen“, so sieht es David Muchow, der Chef eines US-amerikanischen Militärzulieferers. Unrecht hat er nicht, wenn man bedenkt, dass Diesel für Militärfahrzeuge in einem afghanischen Feldlager rund 250 Dollar pro Liter kostet. Und nicht nur durch Öko-Sprit lassen sich Einsparungen treffen. Auf der Konferenz spricht man zudem über „Mobile taktische Mikro-Stromnetze“, die durch Photovoltaikmodule versorgt werden, sowie Windkrafträdern und Dieselmotoren die nur noch als Notreserve dienen. So freut es die Militärzulieferer auch, dass Solar- und Windkraftanlagen keine Infrarotstrahlung, im Gegensatz zu Dieselmotoren, erzeugen, sodass der Gegner die Strahlung nicht orten kann. Man kann die Bestrebungen als „militärische Energiewende“ bezeichnen. Vorreiter waren die USA, welche bereits 2007 mit dem Slogan „more fight – less fuel“ einen Einbezug alternativer Kraftstoffe in Militärmanöver forderten. Es folgte die NATO, „Smart defense with smart energy“ lautete hierbei das Motto. Das bundesdeutsche Verteidigungsministerium folgte 2009, indem das Fraunhofer-Institut für Naturwissenschaftlich-Technische Trendanalysen mit einer Potentialstudie zum Thema „Postfossile Bundeswehr“ beauftragt wurde. Ergebnis der Studie ist, dass schon allein aus strategischen Gründen eine Umstellung unausweichlich sei. Zudem müsse die Bundeswehr aus Gründen der Imagepflege, die internationalen Umweltschutzgesetze bei der Kriegsführung berücksichtigen, so die Wissenschaftler.

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