Unabhängigkeit, Beteiligung und neue Märkte: Die Energiewende im ländlichen Raum

Das Großprojekt unserer Tage, wie es Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) gern nennt, kann auch im Kleinen viele Chancen mit sich bringen. Die Rede ist von der Energiewende, im Speziellen ihrer Auswirkung auf den ländlichen Raum. Dabei geht es um kleine Dörfer, Kommunen genauso wie um Mittelstädte oder Stadtvorlandgebiete. Doch insbesondere für erstere kann die Energiewende möglicherweise das vollbringen, was milliardenschwere Strukturfonds nur mühsam leisten, die Strukturschwäche im Zuge demografischer Verwerfungen und einem Rückbau der Infrastrukturen stoppen beziehungsweise substituieren.   

Vor allem das Engagement der Bürger ist gefordert

Neu am kommenden Energiesystem ist vor allem die dezentrale und kleinteilige Ausgestaltung der Energieinfrastruktur, die dazu führt das vermehrt auch Privatpersonen im Markt aktiv werden können. Für den ländlichen Raum ist daher das Engagement der Bürger vor Ort gefragt. Dieser Meinung ist auch der Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE), Philipp Vohrer. Im Zuge der Vorstellung einer neuen Broschüre der AEE zum Thema „Energie vom Land kommt an“ sagte Vohrer: „Weil der Ausbau der Erneuerbaren Energien dezentral in den Gemeinden stattfindet, sind dort auch die Bürger mit ihrem Engagement gefordert.“

Landwirte, Bürgerwindparks und Energiegenossenschaften

Tatsächlich existieren bereits heute diverse Formen der Bürgerbeteiligung im Kontext der lokalen Energiewende. So investieren viele Landwirte in hofeigene Biogasanlagen, installieren Photovoltaikzellen auf den Dächern ihrer Bauerhäuser oder installieren sich kleine Windräder neben der Kuhweide. Ein Beispiel für einen Landwirt der in die erneuerbaren Energien investiert ist Jess Jessen aus Galmsbüll in Schleswig-Holstein. Schon vor 20 Jahren stieg Jessen in die Nutzung der Windkraft an der Nordsee ein. Jüngst wurde die alte Infrastruktur einem sogenannten „Repowering“ unterzogen, schlicht ausgedrückt, erneuert. Daran beteiligten sich knapp 70 Prozent der Bürger Galmsbülls, was zu einem Investitionsvolumen von 30 Millionen Euro führte. Jessen meint: „Ich hoffe, dass die von einigen in der Politik favorisierten Quoten- und Ausschreibungsmodelle nicht kommen, damit kleine Unternehmer und Bürgergesellschaften weiterhin investieren können. Ich bin trotz allem optimistisch, dass sich das Unternehmertum gegen die Macht der Großen durchsetzen wird.“ Es wird sich zeigen, ob er Recht behält.

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