Verbrauchen die erneuerbaren Energien doch mehr Rohstoffe als gedacht?

Die erneuerbaren Energien vermeiden schädliche Kohlenstoffdioxidemissionen, was weithin bekannt ist. Betrachtet man allerdings die gesamte Wertschöpfungskette der Erzeugung von grüner Energie, so fällt auf, dass beispielsweise der Bau einer Photovoltaik-Anlage durchaus zu einem nicht unerheblichen Rohstoffverbrauch führt.

Diese ganzheitliche Betrachtung wird, vor allem in der gängigen Diskussion über die Energiewende, gern ausgeklammert. Ist es letztlich sogar der Fall, dass der Preis für die Vermeidung von Treibhausgasen der überproportionale Verbrauch von wichtigen Rohstoffen wie Kupfer und Eisen ist? Eine Analyse der Universität Trondheim, welche aktuell veröffentlicht wurde, hat sich dieser Frage gewidmet und Umweltbilanzen für die erneuerbaren und fossilen Energieerzeugungsketten erstellt.

Die Energiewende lohnt sich trotz des Rohstoffverbrauchs

Positives Ergebnis der Studie ist, dass die Umweltbilanz für erneuerbare Energieerzeugungsketten wie derer von Wind- und Solarenergie besser ausfällt als die der fossilen Ketten von Kohle, Öl und Gas. Publiziert wurde die Analyse, die unter der Federführung der Wissenschaftler Thomas Gibon und Edgar Hertwich von der Universität Trondheim entstand, im Fachjournal „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS).

Gerechnet wurde auf Basis repräsentativer Daten der Internationalen Energieagentur (IEA). Demnach schneiden die erneuerbaren Energien im Bereich Materialeinsatz pro Kilowattstunde durchschnittlich schlechter ab als die fossilen Gegenparts. Besonders hoch ist der Mehrverbrauch an wichtigen Rohstoffen wie Kupfer (40-mal höherer Einsatz bei PV-Anlagen als bei konventionellen Kraftwerken) und Eisen (14-mal höherer Verbrauch bei Windanlagen als bei konventionellen Anlagen).

Trotzdem lohnt sich der Mehraufwand an Rohstoffen bei Betrachtung der Outputkategorien deutlich. Bei den Kategorien Treibhausgasemissionen, Ausstoß von Feinstaub, Giftigkeit für die Ökosysteme, Eutrophierung und Landverbrauch schneiden die fossilen Erzeugungsketten klar schlechter ab.

Auch Schutzmaßnahmen oder die CCS-Methode verbessern die Umweltbilanzen nur gering. Abschließend weisen die Forscher in ihrer Arbeit allerdings darauf hin, dass Kupfer eines Tages mit hoher Wahrscheinlichkeit durch einen anderen Stoff ersetzt werden müsse.

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