Wachstumsgene in Bäumen industriell nutzbar?

Dass sich der Boom von Biodiesel, Bioethanol und anderen Treibstoffen aus Biomasse negativ auf den Weltmarkt für Nahrungsmittel ausgewirkt hatte – namentlich auf die Preise für Mais und Weizen, wurde spätestens zur internationalen Mediendebatte, als sich die indigene Bevölkerung Mexikos und anderer Staaten in Mittel- und Südamerika ihr täglich Maisbrot nicht mehr leisten konnte.

Ist Treibstoff aus Biomasse eine Alternative?
Schnell wurde aus dem Thema Energie aus Biomasse ein umstrittenes Sujet, nicht zuletzt weil Länder wie beispielsweise Indonesien weite Teile ihrer Regenwälder abholzten, um im großen Maßstab Palmöl-Plantagen anzulegen, damit die steigende Nachfrage auf dem Weltmarkt befriedigt werden konnte; als sich dann zudem zeigte, dass der Biodiesel oft besonders aggressiv ätzend ist und damit betriebene Motoren schnell angreift, was wiederum die Laufzeit teilweise stark verkürzt, konnte die Öl- und Auto-Industrie das Thema Biotreibstoff auch öffentlich wirksam für unrentabel, unrealistisch, lächerlich erklären: Es gäbe einfach keine sinnvolle Alternative zu fossilem Öl.

Zwei unschuldige Gene könnten nun die Wende bringen:
Eine Gruppe britischer Forscher um Projektleiter Professor Simon Turner von der Manchester University haben nun zwei Gene isoliert, die maßgeblich für das Wachstum von Bäumen verantwortlich sind. Präziser ausgedrückt beeinflussen die Gene PXY und CLE41 das Wachstum der Pflanzen im Durchmesser. Wie die Manchester University in einer Pressemitteilung zum Thema erklärte, würden derzeit noch Modellstudien an der Forschungspflanze Arabidopsis durchgeführt, um die wirtschaftliche und vor allem industrielle Nutzbarkeit der Entdeckung zu erforschen. Die Forscher sind allerdings zuversichtlich, mit dem neuen Wissen um die Gene einen deutlichen Erfolg verzeichnen zu können:

Suche nach der optimalen Nutzpflanze
PXY und CLE41 sind für die Entwicklung der Tracheiden verantwortlich, die für den Wassertransport in der Pflanze sorgen. Da bestimmte Bäume und Pflanzen genetisch relativ einfach aufgebaut und daher leicht zu manipulieren sind, rechnen die Briten mit einer möglichen Verdreifachung des Wachstums durch die Optimierung der Genexpression, der natürlichen RNA-Synthese. Da die Entwicklung eines Organismus jedoch stets von vielen unterschiedlichen Faktoren abhängt – nicht zuletzt klimatischen, will man nun die passende Industriepflanze für die Nutzung der Biomasse zur Treibstoffgewinnung finden. Dabei kann man sich aber glücklicherweise auf die umfangreiche Grundlagenforschung der vergangenen Jahrzehnte stützen.

Kritische Stimmen
Besonders Gegner von Gentechnik und Vertreter von Umweltorganisationen warnen, dass der Einsatz von genmanipulierten Organismen im industriellen Umfang unkontrollierbar ist. Denn irgendwo schlüpft immer ein Samen durch, in irgendeiner Mutation ist das sogenannte Terminator- oder Selbstmord-Gen vielleicht nicht mehr aktiv und die Pflanze setzt sich in der freien Natur durch und verdrängt natürliche Arten: Monsanto lässt grüßen.

Es sei an dieser Stelle auch an die transgenen Fische erinnert, die Gentechniker einer taiwanesischen Firma für Aquariumsfische mittels eines Quallengens zum Leuchten brachten. Die Fische sollten für Notfälle angeblich über ein Terminatorgen verfügen und zudem steril sein. Die küstennahen Becken wurden vor einigen Jahren in einer stürmischen Nacht beschädigt – mittlerweile tummeln sich die leuchtenden Fische beinahe überall im chinesischen Meer und vermehren sich fröhlich weiter.

Quellen:
Meldung zu Wachstumsgenen bei Bäumen
http://www.bva-solar.de/sww/content/biomasse/details.php?id=255

Pressemitteilung der Universität Manchester vom 10. Februar 2010
http://insciences.org/article.php?article_id=8332

Artikel zu Regenwaldschlag für Palmöl-Plantagen:
http://www.focus.de/wissen/wissenschaft/artenschutz/tid-11596/palmoel-tank-oder-intakte-natur_aid_327453.html

WWF wirbt für nachhaltiges Palmöl
http://www.wwf.de/themen/landwirtschaft/agrarrohstoffe-und-weltmaerkte/palmoel/

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