Widersprüchliche Argumentationen – Wer sagt die Wahrheit zur Energiewende?

Einige Dinge, die im Kontext der Energiewende geschehen sind oder aktuell passieren, sind unumstößlich real und daher wenig angreifbar. Dazu zählen die hohen Verbraucherstrompreise oder die Industrierabatte für Unternehmen die weder im internationalen Wettbewerb stehen, noch besonders energieintensiv produzieren. Wesentlich interessanter ist die Frage nach möglichen Ursachen für diese Umstände und natürlich deren Lösungen. Die Widersprüche dazu häufen sich permanent, denn jeder, abhängig von der politischen Fasson, hat eine andere Argumentation zum Sachverhalt. Erst kürzlich kritisierte der renommierte Ökonom, Hans-Werner Sinn, Präsident des ifo Instituts in München, die gesamte Umsetzung der Energiewende vehement. Andere verteidigen die Notwendigkeit einiger Maßnahmen, beispielsweise der Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Sigmar Gabriel (SPD).

Welche Argumentation ist nachvollziehbarer?

Beide Stimmen haben in der Öffentlichkeit Gewicht. Hans-Werner Sinn ist für seine kontroverse Haltung gegenüber der deutschen Wirtschaftspolitik bekannt, sodass man seine erneuerten Bedenken als reflexhafte Reaktion auf eine Debatte, welche die deutsche Wirtschaft beeinflusst, bezeichnen könnte. Dennoch ist die Logik seiner Argumentation nicht von der Hand zu weisen. Die Wissenschaftler am ifo Institut haben beispielsweise untersucht, wie stark man die existierende Speicherinfrastruktur, die vor allem aus Pumpspeicherkraftwerke besteht, ausbauen müsste um die künftig zu erwartenden Fluktuationen im Strombestand durch Wind- und Solarenergie auszugleichen. Das Ergebnis zeigt, dass eine absurd hohe Anzahl an Pumpspeichern errichtet werden müsste, welche zudem das naturräumliche Bild Deutschlands massiv schädigen würden. Abgesehen davon kommen Netze hinzu, die auch keinen positiven Einfluss auf das Landschaftsbild haben würden. Sinn fordert die Rückbesinnung auf die Kernenergie, mit Akzeptanz der Risiken und entsprechender Verstärkung der Sicherheitsmaßnahmen. Zudem solle man mehr in die Erforschung der Kernfusion investieren. Bundeswirtschaftsminister und Vizekanzler Sigmar Gabriel sieht das anders. Er argumentiert nicht in naturräumlichen Dimensionen, sondern eher in Preisen (abgesehen davon, dass der Umbau der Speicherinfrastruktur auch sehr teuer ist). Typisch für einen Politiker verspricht er die Senkung der Verbraucherstrompreise durch eine erneute EEG-Reform. Ein ambitioniertes Ziel und durchaus in der Hinsicht zu hinterfragen, wie er das erreichen wolle. Die Industrierabatte will Gabriel, entgegen dem laufenden EU-Beihilfeverfahren, nicht abschaffen. Damit ist eine stärkere Beteiligung der Industrie am Strompreis nicht zu erwarten. Auch dies ist politisch nachvollziehbar, denn wer legt sich schon gern mit der Wirtschaftslobby an? Damit ist man der Frage danach wie Gabriel den Preis senken will noch nicht näher gekommen. Die Lösung liegt in den EEG-Förderungen. So werden diese wohl sinken und den Ausbau der erneuerbaren Energien verlangsamen. Damit sind sich Sinn und Gabriel in der Quintessenz wohl einig? Den Ausbau der Erneuerbaren verlangsamen und eher konservative Schritte bevorzugen?

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