Stromverbrauch Infrarotheizung: Kosten berechnen und sinnvoll einsetzen

Eine Infrarotheizung kann angenehm wirken: keine Heizkörperrohre, keine Wartung wie bei einer Gastherme, schnelle Strahlungswärme an Wand oder Decke. Trotzdem bleibt sie eine elektrische Direktheizung. Das bedeutet: Aus einer Kilowattstunde Strom wird nahezu eine Kilowattstunde Wärme im Raum. Klingt effizient, ist beim Heizen aber nur die halbe Wahrheit, weil Haushaltsstrom deutlich teurer ist als viele andere Heizenergien und Wärmepumpen aus einer Kilowattstunde Strom mehrere Kilowattstunden Wärme bereitstellen können.

Stromverbrauch Infrarotheizung: Kosten berechnen und sinnvoll einsetzen
Stromverbrauch Infrarotheizung: Kosten berechnen und sinnvoll einsetzen

Der Stromverbrauch einer Infrarotheizung hängt vor allem von Leistung, Laufzeit, Raumgröße, Dämmstandard und gewünschter Temperatur ab. Ein einzelnes 600-Watt-Panel ist kein Problem, wenn es selten läuft. Mehrere Panels als Hauptheizung in einem schlecht gedämmten Haus können dagegen sehr teuer werden. Entscheidend ist also nicht das Gerät allein, sondern der Einsatzbereich.

Inhaltsverzeichnis

Alles Wichtige zum Stromverbrauch der Infrarotheizung in Kürze

  • Formel: Leistung in kW x Betriebsstunden = Stromverbrauch in kWh.
  • Beispiel: Ein 700-Watt-Panel verbraucht bei 5 Stunden Laufzeit 3,5 kWh pro Tag.
  • Kosten: Bei 39,7 Cent/kWh kosten 3,5 kWh rund 1,39 Euro pro Tag.
  • Sinnvoll: Als Zusatzheizung, punktuelle Wärmequelle oder in sehr gut gedämmten Räumen kann Infrarot passen.
  • Riskant: Als alleinige Dauerheizung in unsanierten Gebäuden entstehen schnell hohe Stromkosten.

So berechnen Sie den Stromverbrauch einer Infrarotheizung

Die Rechnung ist einfach. Teilen Sie die Wattzahl durch 1.000, dann erhalten Sie Kilowatt. Multiplizieren Sie diesen Wert mit der täglichen Laufzeit.

Stromverbrauch pro Tag = Leistung in kW x Betriebsstunden pro Tag

Ein 600-Watt-Panel hat 0,6 kW. Läuft es 4 Stunden am Tag, verbraucht es 2,4 kWh. Bei 39,7 Cent/kWh kostet das rund 95 Cent pro Tag. Über 120 Heiztage wären das etwa 114 Euro für dieses eine Panel. Läuft es länger oder sind mehrere Panels im Einsatz, steigt der Betrag entsprechend.

Leistung Laufzeit pro Tag Verbrauch pro Tag Kosten pro Tag bei 39,7 ct/kWh
300 W 4 Stunden 1,2
kWh
ca. 0,48 Euro
600 W 5 Stunden 3,0 kWh ca. 1,19 Euro
900 W 6 Stunden 5,4 kWh ca. 2,14 Euro
1.200 W 8 Stunden 9,6 kWh ca. 3,81 Euro

Für den Strompreis wurde der Durchschnittswert aus der BDEW-Strompreisanalyse verwendet. Ihr tatsächlicher Tarif kann höher oder niedriger liegen. Gerade bei Heizstrom lohnt der Blick in den Vertrag, denn Infrarotheizungen bekommen laut Verbraucherzentrale oft keinen günstigen Sondertarif: Verbraucherzentrale zu Heizstrom für Infrarotheizungen.

Wie funktioniert eine Infrarotheizung?

Eine Infrarotheizung gibt Wärmestrahlung ab. Diese Strahlung erwärmt nicht zuerst die Luft, sondern Oberflächen, Körper und Gegenstände im Raum. Dadurch kann sich Wärme schnell angenehm anfühlen, besonders wenn man direkt im Strahlungsbereich sitzt. Das Prinzip ähnelt Sonnenwärme an einem kühlen Tag: Die Luft ist nicht unbedingt heiß, aber die angestrahlte Fläche fühlt sich warm an.

Das unterscheidet Infrarot von klassischen Konvektionsheizungen, die vor allem die Raumluft erwärmen. In der Praxis mischen sich beide Effekte, weil erwärmte Oberflächen später auch Wärme an die Luft abgeben. Der Komfort kann hoch sein, wenn Panelposition, Raumgeometrie und Nutzung passen.

Ist eine Infrarotheizung ein Stromfresser?

Die ehrliche Antwort: Sie kann einer sein. Nicht wegen versteckter Verluste im Gerät, sondern wegen der direkten Nutzung von teurem Strom zum Heizen. Ein einzelnes Panel im Bad, das morgens 20 Minuten läuft, ist unkritisch. Fünf Panels, die an kalten Tagen viele Stunden laufen, erzeugen einen ganz anderen Verbrauch.

Als Faustregel gilt: Infrarotheizungen sind dort wirtschaftlich interessant, wo wenig Heizstunden anfallen oder gezielt Personen und Zonen erwärmt werden. Sie werden teuer, wenn sie dauerhaft ganze, schlecht gedämmte Räume auf Temperatur halten sollen.

Lesen Sie auch:  Stromverbrauch von Mährobotern: Effiziente Nutzung für Ihren Garten

Jahreskosten realistisch einschätzen

Nehmen wir einen Raum mit einem 800-Watt-Panel. Es läuft in der Heizperiode durchschnittlich 5 Stunden pro Tag an 150 Tagen. Die Rechnung lautet: 0,8 kW x 5 h x 150 = 600 kWh. Bei 39,7 Cent/kWh entstehen rund 238 Euro pro Jahr. Für einen Raum kann das passen. Für sechs Räume wären es in dieser vereinfachten Rechnung bereits rund 1.428 Euro. Läuft die Anlage länger, steigt der Betrag deutlich.

Wichtig: Thermostate takten. Ein Panel läuft nicht zwingend jede Stunde durchgehend. In gut gedämmten Räumen kann die tatsächliche Einschaltdauer deutlich niedriger sein. In zugigen Altbauten kann sie sehr hoch liegen. Deshalb ist eine Heizlastabschätzung sinnvoll, bevor mehrere Panels angeschafft werden.

Wann Infrarotheizungen sinnvoll sind

Bad und kurz genutzte Räume

Im Bad wird Wärme oft nur kurz gebraucht. Ein Decken- oder Wandpanel kann morgens schnell Behaglichkeit schaffen, ohne die Zentralheizung hochzufahren. Das funktioniert besonders gut, wenn die Grundtemperatur nicht zu niedrig ist.

Homeoffice-Zone

Wer tagsüber nur am Schreibtisch sitzt, muss nicht immer das ganze Haus stärker beheizen. Ein kleines Infrarotpanel kann punktuell helfen. Es sollte aber mit Thermostat, Zeitschaltung und klarer Laufzeitbegrenzung betrieben werden.

Ferienhaus, Gartenhaus, Hobbyraum

Räume, die selten genutzt werden, sind typische Einsatzbereiche. Hier zählen geringe Anschaffungskosten, schnelle Wärme und einfache Installation. Eine wassergeführte Heizung wäre oft überdimensioniert.

Sehr gut gedämmte Gebäude

In Gebäuden mit sehr niedrigem Wärmebedarf kann elektrische Direktheizung rechnerisch besser aussehen als im Altbau. Trotzdem sollte man Alternativen wie Wärmepumpe, Photovoltaik-Eigenverbrauch und Gesamtkosten über viele Jahre prüfen.

Wann Vorsicht angebracht ist

Problematisch wird Infrarot als Hauptheizung in schlecht gedämmten Häusern oder Wohnungen mit hohen Wärmeverlusten. Dann läuft die Heizung lange, und jede Stunde zieht direkt Strom. Auch hohe Decken, schlecht isolierte Außenwände, große Fensterflächen und dauerhafte Zieltemperaturen von 22 Grad oder mehr treiben den Verbrauch.

Wer bereits über eine elektrische Heizung nachdenkt, sollte auch den Beitrag Elektroheizungen: Effiziente Wärmelösungen für Ihr Zuhause lesen. Dort werden unterschiedliche elektrische Heizsysteme eingeordnet.

Stromverbrauch senken: praktische Maßnahmen

  1. Thermostat nutzen: Keine Infrarotheizung sollte dauerhaft ungeregelt laufen.
  2. Zeitschaltung setzen: Wärme dann bereitstellen, wenn der Raum genutzt wird.
  3. Panel richtig platzieren: Strahlung soll Personen und Aufenthaltsbereiche erreichen, nicht Möbelrückseiten.
  4. Temperatur senken: Schon 1 Grad weniger kann Heizenergie sparen.
  5. Türen schließen: Punktuelle Wärme verpufft, wenn ständig kalte Luft nachströmt.
  6. Dämmung verbessern: Dichtungen, Rollläden, Vorhänge und Dämmmaßnahmen reduzieren Laufzeiten.
  7. Stromtarif prüfen: Bei hohem Verbrauch zählt jeder Cent pro kWh.
  8. Nutzung messen: Steckdosenmodelle lassen sich mit Messgerät prüfen; fest angeschlossene Systeme über Zwischenzähler oder Zählerstandsprotokoll.

Infrarotheizung mit Photovoltaik kombinieren?

Eine Photovoltaikanlage kann Stromkosten senken, aber sie löst das Grundproblem nicht automatisch. Der höchste Heizbedarf fällt im Winter an, wenn PV-Erträge niedriger sind. Tagsüber kann selbst erzeugter Strom helfen, abends und morgens kommt häufig Netzstrom dazu. Ein Speicher verbessert die Eigenverbrauchsquote, verursacht aber zusätzliche Investitionskosten. Für einzelne Zusatzheizungen kann PV-Strom attraktiv sein; für eine komplette elektrische Hauptheizung sollte die Jahresbilanz nüchtern gerechnet werden.

Wer Stromspeicherung und Eigenverbrauch tiefer verstehen will, findet in der Kategorie Speichertechnologien weitere Hintergründe.

Der Unterschied zwischen Gerätewirkungsgrad und Systemeffizienz

Viele Anbieter werben damit, dass Infrarotheizungen Strom nahezu vollständig in Wärme umwandeln. Das stimmt am Gerät weitgehend, ist aber kein vollständiger Effizienzvergleich. Ein Heizlüfter, Radiator oder Konvektor wandelt Strom ebenfalls fast vollständig in Wärme um. Die wichtigere Frage lautet: Wie teuer ist die Kilowattstunde Wärme, und wie viel Wärme braucht der Raum überhaupt?

Eine Wärmepumpe nutzt Strom, um Umweltwärme aus Luft, Erdreich oder Wasser in das Haus zu bringen. Dadurch kann sie aus einer Kilowattstunde Strom mehrere Kilowattstunden Wärme bereitstellen. Eine Infrarotheizung kann diesen physikalischen Hebel nicht nutzen. Sie kann Komfortvorteile haben, aber keine Jahresarbeitszahl wie eine Wärmepumpe erreichen.

Der Stromverbrauch einer Infrarotheizung ist leicht berechenbar: Wattzahl geteilt durch 1.000 mal Laufzeit. Wirtschaftlich wird sie vor allem bei kurzer, gezielter Nutzung oder sehr niedrigem Wärmebedarf. Als Dauerheizung in schlecht gedämmten Gebäuden sind hohe Stromkosten wahrscheinlich.

Kaufkriterien vor der Anschaffung

  • Leistung passend zum Raum: Zu klein bringt keinen Komfort, zu groß taktet unnötig.
  • Regelung: Thermostat, Wochenprogramm und Fenster-offen-Erkennung sind sinnvoll.
  • Montageort: Wand und Decke wirken unterschiedlich. Freie Abstrahlfläche ist wichtig.
  • Sicherheitszertifikate: Achten Sie auf seriöse Herstellerangaben und fachgerechte Installation.
  • Gesamtkosten: Anschaffung, Stromverbrauch, Laufzeit und Alternative über mehrere Jahre vergleichen.

FAQ zum Stromverbrauch einer Infrarotheizung

Wie viel Strom verbraucht eine Infrarotheizung pro Stunde?

Das entspricht ihrer Leistung. Ein 600-Watt-Panel verbraucht bei durchgehendem Betrieb 0,6 kWh pro Stunde, ein 1.000-Watt-Panel 1,0 kWh pro Stunde.

Ist eine Infrarotheizung günstiger als eine Gasheizung?

In der Anschaffung oft ja, im laufenden Betrieb häufig nicht. Es kommt auf Gebäude, Laufzeit, Strompreis, Gaspreis und Alternativen an.

Lesen Sie auch:  Stromverbrauch von Haushaltsgeräten - Die Große Tabelle mit Rechner

Kann eine Infrarotheizung ein ganzes Haus heizen?

Technisch ja. Wirtschaftlich ist das vor allem in sehr gut gedämmten Gebäuden oder bei niedrigem Wärmebedarf zu prüfen. Im unsanierten Altbau kann es teuer werden.

Wie senke ich den Verbrauch einer Infrarotheizung?

Nutzen Sie Thermostate, Zeitschaltungen, passende Panelpositionen, niedrigere Raumtemperaturen und verbessern Sie die Dämmung. Weitere allgemeine Tipps finden Sie unter Stromverbrauch senken.

Raumgröße und Heizlast: Warum Watt pro Quadratmeter nur grob hilft

Viele Hersteller arbeiten mit Faustwerten wie 50, 70 oder 100 Watt pro Quadratmeter. Das ist als erster Überschlag brauchbar, aber keine echte Heizlastberechnung. Ein kleiner, gut gedämmter Raum mit Innenlage braucht viel weniger Leistung als ein Eckzimmer mit zwei Außenwänden, alten Fenstern und hoher Decke. Auch Bodenbelag, Möblierung und gewünschte Temperatur spielen hinein.

Wer eine Infrarotheizung ernsthaft als Hauptheizung plant, sollte nicht allein nach Quadratmetern kaufen. Besser ist eine raumweise Betrachtung: Außenwände, Fenster, Dämmung, Nutzungszeiten, Zieltemperatur und vorhandene Grundheizung. Sonst entstehen zwei typische Fehler: zu kleine Panels liefern keinen Komfort, zu große Panels kosten unnötig Geld und takten häufig.

Positionierung: Der unterschätzte Effizienzfaktor

Ein Infrarotpanel arbeitet am besten, wenn seine Strahlung die Aufenthaltszone erreicht. Wird es hinter Möbeln montiert oder strahlt hauptsächlich auf eine gegenüberliegende Schrankwand, verpufft Komfort. Deckenmontage kann in Bädern oder kleinen Räumen gut funktionieren. Wandmontage ist sinnvoll, wenn Sitzplätze, Schreibtisch oder bestimmte Bereiche direkt erreicht werden sollen. Die Montagehöhe und der Winkel bestimmen, wie angenehm die Wärme ankommt.

Auch Schatten zählen. Große Möbel, Raumteiler oder Vorhänge blockieren Strahlung. Dann fühlt sich der Raum trotz laufender Heizung nicht gleichmäßig warm an, und Nutzer drehen die Leistung höher. Das erhöht den Stromverbrauch, obwohl das eigentliche Problem die Platzierung ist.

Thermostate und Regelung: Pflicht, nicht Zubehör

Eine Infrarotheizung ohne gute Regelung ist wie ein Auto ohne Tacho. Sie funktioniert, aber man fährt schnell ineffizient. Sinnvoll sind Raumthermostate, Wochenprogramme, Anwesenheitszeiten und Fenster-offen-Erkennung. Noch besser ist eine Regelung pro Raum, weil Bad, Büro, Schlafzimmer und Wohnzimmer unterschiedliche Nutzungsprofile haben.

Ein Beispiel: Das Bad braucht morgens 23 Grad für kurze Zeit. Das Schlafzimmer kommt oft mit 17 bis 18 Grad aus. Das Homeoffice braucht tagsüber Wärme, abends nicht. Eine zentrale Dauerregelung würde alle Räume ähnlich behandeln und dadurch Strom verschwenden.

Vergleich mit Heizlüfter, Radiator und Nachtspeicher

Alle elektrischen Direktheizungen machen aus Strom Wärme. Der Unterschied liegt in Komfort, Verteilung und Regelbarkeit. Ein Heizlüfter erwärmt Luft schnell, wirbelt aber Staub auf und fühlt sich nach dem Ausschalten sofort kalt an. Ein Ölradiator speichert Wärme etwas länger, reagiert aber träger. Eine Infrarotheizung erwärmt Oberflächen und Personen direkter, was bei punktueller Nutzung angenehmer sein kann. Nachtspeicherheizungen nutzen Speichersteine und spezielle Tariflogik, sind aber oft alt und schwerfällig.

System Vorteil Nachteil
Infrarotheizung angenehme Strahlungswärme, flache Bauform hohe Kosten bei langer Laufzeit
Heizlüfter sehr schnelle Luftwärme laut, staubig, oft ineffizient genutzt
Ölradiator mobil, speichert etwas Wärme träge und ebenfalls Direktstrom
Nachtspeicher kann spezielle Tarife nutzen alte Technik, geringe Flexibilität

Schimmel, Behaglichkeit und Oberflächentemperaturen

Infrarotheizungen können Oberflächen erwärmen. Das kann an kritischen Stellen helfen, wenn kalte Wände sonst Feuchteprobleme begünstigen. Aber sie ersetzen keine Ursachenanalyse. Schimmel entsteht durch Feuchte, kalte Oberflächen, schlechte Lüftung oder bauliche Mängel. Ein Panel kann eine Wandstelle wärmer halten, löst aber keine undichte Fassade, keine Wärmebrücke und kein dauerhaft falsches Lüften.

Richtig eingesetzt kann Strahlungswärme die Behaglichkeit verbessern, sodass eine etwas niedrigere Lufttemperatur akzeptabel ist. Das spart Strom. Falsch eingesetzt läuft das Panel zusätzlich zur normalen Heizung, ohne dass eine Temperatur abgesenkt wird. Dann steigen die Kosten.

Mietwohnung: Was vor Montage und Betrieb zu klären ist

Mobile Steckdosenmodelle sind unkompliziert. Fest montierte Panels können Bohrungen, elektrische Anschlüsse oder bauliche Veränderungen bedeuten. In Mietwohnungen sollte geklärt werden, was erlaubt ist. Auch die elektrische Belastung des Stromkreises zählt. Mehrere starke Heizgeräte an einer alten Leitung sind keine gute Idee. Bei festem Anschluss gehört eine Elektrofachkraft dazu.

Für Mieter ist außerdem wichtig: Wenn die bestehende Heizung nicht ausreichend funktioniert, sollte das nicht heimlich durch teuren Haushaltsstrom kompensiert werden. Erst Vermieter, Mangel und Heizpflicht sauber klären, dann Zusatzheizung planen.

Rechenbeispiel für eine Wohnung mit drei Panels

Angenommen, eine kleine Wohnung nutzt drei Panels: 600 Watt im Wohnzimmer, 400 Watt im Schlafzimmer, 300 Watt im Bad. Durchschnittlich laufen sie in der Heizperiode zusammen 5 Stunden pro Tag, aber nicht immer alle gleichzeitig. Vereinfachte Tagesrechnung: 1,3 kW x 5 Stunden = 6,5 kWh. Bei 39,7 Cent/kWh sind das rund 2,58 Euro pro Tag. Bei 150 Heiztagen entstehen etwa 387 Euro. Läuft das Wohnzimmerpanel länger oder wird ein weiterer Raum beheizt, steigt der Betrag schnell.

Lesen Sie auch:  Stromverbrauch im 3-Personen-Haushalt - Werte und Durchschnitt

Dieses Beispiel zeigt: Infrarot kann als Ergänzung kalkulierbar sein. Als Vollheizung muss die Laufzeit sehr genau betrachtet werden. Der Kaufpreis allein erzählt nicht die Wahrheit.

Infrarotheizung im Bad: Komfort mit begrenzter Laufzeit

Das Bad ist einer der sinnvollsten Orte für Infrarot. Dort wird Wärme oft punktuell und kurz gebraucht. Ein Panel über dem Waschbereich oder an einer freien Wand kann morgens schnell Behaglichkeit schaffen. Wichtig ist die Begrenzung: 20 bis 40 Minuten vor und während der Nutzung reichen oft. Läuft das Panel dagegen stundenlang, nur damit Handtücher trocknen, wird es teuer.

Gerade im Bad zählen Sicherheitsabstände, Schutzart und fachgerechte Montage. Feuchträume sind kein Platz für improvisierte Steckdosenlösungen. Wer ein festes Panel montiert, sollte Herstellerangaben und Elektroregeln ernst nehmen.

Infrarotheizung im Homeoffice: gezielte Wärme statt ganzes Haus

Im Homeoffice kann ein kleines Panel sinnvoll sein, wenn nur ein Arbeitsplatz genutzt wird. Statt die Zentralheizung im gesamten Wohnbereich höher zu drehen, wird die Wärme dort erzeugt, wo man sitzt. Das spart aber nur, wenn die Grundheizung tatsächlich niedriger bleibt. Läuft beides parallel auf Komfortniveau, entstehen Zusatzkosten statt Einsparung.

Ein praktisches Setup besteht aus Thermostat, Timer und klarer Sitzposition im Strahlungsbereich. Das Panel sollte nicht unter dem Tisch versteckt oder hinter einem Monitor platziert sein. Es soll den Körper erreichen, nicht die Möbel.

Altbau und Infrarot: besonders genau rechnen

Im Altbau entscheidet die Gebäudehülle. Kalte Außenwände, undichte Fenster, ungedämmte Decken und Wärmebrücken erhöhen den Heizbedarf. Eine Infrarotheizung kann sich trotzdem angenehm anfühlen, weil sie Oberflächen direkt erwärmt. Aber sie muss gegen die laufenden Wärmeverluste arbeiten. Genau dadurch steigen die Betriebsstunden.

Wer im Altbau Infrarot einsetzen möchte, startet besser mit einem Raum und misst den Verbrauch über mehrere Wochen. Wenn das Ergebnis passt, kann man weiter planen. Direkt die ganze Wohnung umzurüsten, nur weil die Anschaffung günstig wirkt, ist riskant.

Neubau und sehr gute Dämmung

In sehr gut gedämmten Gebäuden ist der Wärmebedarf niedrig. Hier kann elektrische Direktheizung in einzelnen Konzepten funktionieren, vor allem wenn Photovoltaik, niedrige Heizlast und kluge Regelung zusammenspielen. Trotzdem bleibt die Frage der Wintermonate. Wenn wenig Sonne scheint und viel Wärme gebraucht wird, kommt der Strom häufig aus dem Netz. Eine saubere Jahresrechnung ist deshalb Pflicht.

Wartung, Lebensdauer und versteckte Kosten

Infrarotheizungen haben wenige bewegliche Teile und gelten als wartungsarm. Das ist ein echter Vorteil. Keine Brennerwartung, kein Schornsteinfeger für das Gerät, keine Wasserleitungen im Heizkreis. Trotzdem gibt es Kosten, die gerne vergessen werden: zusätzliche Thermostate, fachgerechte Elektroinstallation, Montage, mögliche Verstärkung von Stromkreisen und natürlich der laufende Strompreis.

Auch die Lebensdauer hängt von Qualität, Elektronik und Betrieb ab. Sehr billige Panels können bei Regelung, Oberflächentemperatur und Verarbeitung enttäuschen. Ein gutes Panel muss sicher montiert sein, gleichmäßig abstrahlen und zuverlässig regeln. Der günstigste Kaufpreis ist nicht automatisch die niedrigste Gesamtkostenlösung.

So dokumentieren Sie den Verbrauch sauber

Wer bereits eine Infrarotheizung nutzt, sollte nicht schätzen, sondern messen. Bei Steckdosenmodellen reicht ein Energiekostenmessgerät. Bei fest installierten Panels helfen Tageszählerstände oder ein separater Zwischenzähler. Notieren Sie Außentemperatur, Laufzeiten und Raumtemperatur. Nach zwei bis vier Wochen erkennt man Muster: Welche Räume laufen lange? Welche Uhrzeiten sind teuer? Wo reicht eine niedrigere Temperatur?

Diese Daten sind Gold wert, wenn Sie über weitere Panels, einen Tarifwechsel oder eine Alternative wie Wärmepumpe, Split-Klimagerät mit Heizfunktion oder bessere Dämmung nachdenken. Ohne Messung bleibt vieles Bauchgefühl.

Häufige Planungsfehler

  • Nur Anschaffungskosten vergleichen und Stromkosten ausblenden.
  • Zu viele Räume gleichzeitig elektrisch beheizen.
  • Panels hinter Möbeln oder außerhalb der Aufenthaltszone montieren.
  • Ohne Thermostat oder Timer betreiben.
  • Photovoltaik-Ertrag im Winter überschätzen.
  • Altbau-Wärmeverluste unterschätzen.
  • Heizlüfter und Infrarot als dauerhafte Ergänzung zur ohnehin laufenden Heizung nutzen.

Die beste Infrarotheizung ist nicht die stärkste, sondern die passend geplante. Sie liefert Wärme genau dort, wo sie gebraucht wird, zur richtigen Zeit und mit klar begrenzter Laufzeit.

Wenn diese drei Bedingungen nicht erfüllt sind, wird aus angenehmer Strahlungswärme schnell ein teurer Dauerverbraucher. Deshalb lohnt vor dem Kauf immer eine kleine Verbrauchsrechnung mit realistischen Heizstunden und ehrlichen Komforterwartungen.

Klicke, um diesen Beitrag zu bewerten!
[Gesamt: 1 Durchschnitt: 5]

Mehr anzeigen
Schaltfläche "Zurück zum Anfang"